Was das Immunsystem von Kindern wirklich stärkt

Veröffentlichung honorarfrei bei Link zu: food-monitor.de

Bewegung im Freien, ausreichend Schlaf, ausgewogene Ernährung und angemessene Hygiene unterstützen die Gesundheit von Kindern – Erkältungen lassen sich damit aber nicht sicher verhindern.

Kind im Freien
Foto: Apotheken Umschau ELTERN

Das Immunsystem lässt sich nicht wie ein Muskel kurzfristig „stärken“. Es entwickelt sich mit dem Kind und reagiert auf zahlreiche Einflüsse. Regelmäßige Bewegung, Aufenthalt im Freien, ausreichender Schlaf und eine bedarfsgerechte Ernährung schaffen gute Voraussetzungen. Sie garantieren aber nicht, dass ein Kind ohne Infekte durch Herbst und Winter kommt. Die kindgerechte Filmreihe „#starkWieWir: Filmreihe zu Bewegung und Ernährung für Kinder“ wird mit Inhalten, Finanzierung und Grenzen gesondert eingeordnet.

„Das aktiviert den Kreislauf, führt zu einer besseren Schleimhautdurchblutung und zu einer schnelleren, effizienteren Abwehr von Krankheitserregern“, sagt Dr. Cornelia Gottschick, Epidemiologin an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Zusätzlich ist das Ansteckungsrisiko für viele Atemwegsviren im Freien meist geringer als in schlecht gelüfteten Innenräumen.

Ausgewogen essen statt Immun-Booster kaufen

Kinder brauchen keine speziellen „Immun-Lebensmittel“. Sinnvoll ist eine abwechslungsreiche Kost mit Gemüse und Obst, Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten und Nüssen sowie – je nach Ernährungsweise – passenden Milchprodukten oder Alternativen. Stark zucker-, salz- oder fettreiche Produkte sollten die Ausnahme bleiben.

Schmeckt dem Kind so gar nicht? Dann helfen wiederholte, druckfreie Angebote. Kinder müssen neue Lebensmittel oft mehrfach kennenlernen. Ein hilfreicher Grundsatz lautet: Erwachsene entscheiden, was und wann angeboten wird; das Kind entscheidet, ob und wie viel es davon isst.

Bei ausgewogener Ernährung brauchen gesunde Kinder in der Regel keine frei verkäuflichen Vitamin- oder Mineralstoffpräparate. Ausnahmen sind alters- oder situationsabhängige ärztliche Empfehlungen, etwa die Vitamin-D- und Fluoridprophylaxe im Säuglingsalter oder ein nachgewiesener Mangel. Das Bundesinstitut für Risikobewertung warnt vor eigenmächtiger Gabe und zu hohen Dosierungen. Der Beitrag Nahrungsergänzungsmittel für Kinder: Nutzen und Risiken ordnet das Thema ausführlicher ein. Welche Folgen Dosierungsfehler haben können, zeigt der Fallbericht Vitamin-D-Vergiftung durch Fehlverabreichung bei Säuglingen.

Normaler Schmutz ist erlaubt – Krankheitserreger nicht absichtlich

Zum normalen Aufwachsen gehört der Kontakt mit der natürlichen Umwelt und ihren Mikroorganismen. Daraus folgt nicht, dass Kinder gezielt Krankheitserregern ausgesetzt werden sollten. „Es schadet weniger, als man denkt, wenn Kinder mal dreckige Hände haben“, sagt Kinderarzt Dr. Philip Wintermeyer. Im Wald oder auf einer Wiese treffen Kinder auf eine größere Vielfalt natürlicher Mikroorganismen als in vielen Innenräumen.

Gründliches Händewaschen ist besonders vor dem Essen, nach dem Toilettengang, nach dem Naseputzen und bei Kontakt mit Erkrankten sinnvoll. Eine routinemäßige Desinfektion jeder Türklinke oder die Sterilisation von Spielzeug ist in gesunden Haushalten nicht nötig. Wenn jemand an einer ansteckenden Erkrankung leidet, können je nach Erreger getrennte Handtücher, häufigeres Reinigen und gezielte Desinfektionsmaßnahmen angebracht sein.

Was nachweislich vor bestimmten Infektionen schützt

Ausreichendes Lüften, Händehygiene und das Vermeiden enger Kontakte bei akuter Erkrankung senken Übertragungsrisiken. Gegen bestimmte schwere Infektionskrankheiten bieten die von der Ständigen Impfkommission empfohlenen Impfungen einen gezielten Schutz. Der Impfstatus sollte bei den kinderärztlichen Vorsorgeuntersuchungen regelmäßig geprüft werden.

Häufige unkomplizierte Atemwegsinfekte sind insbesondere bei jüngeren Kindern normal. Ärztlicher Rat ist jedoch nötig, wenn ein Kind schlecht Luft bekommt, ungewöhnlich schläfrig wirkt, kaum trinkt, hohes oder anhaltendes Fieber hat oder Eltern den Allgemeinzustand als deutlich beeinträchtigt erleben.

Aktualisiert am 14. August 2026
Quelle: Wort & Bild Verlag / food-monitor / KI