Mikrobiom im Fokus: Was hinter dem Hype um die Darmflora steckt

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In unserem Darm spielt sich weit mehr ab als nur die Verdauung von Nahrung.

Das Darmmikrobiom ist an Verdauung und Immunfunktionen beteiligt. Seine Beziehungen zur psychischen Gesundheit werden intensiv erforscht. Rund um Gesundheitstipps für ein ausgewogenes Mikrobiom hat sich ein wahrer Hype entwickelt. Was stimmt und was ist übertrieben?

Der Darm beherbergt zahlreiche Mikroorganismen, vor allem Bakterien. Zum Darmmikrobiom gehören auch ihre Gene und Stoffwechselprodukte. „Die Job Description des Mikrobioms ist sehr umfangreich“, sagt Dr. Ursula Marschall, Leitende Medizinerin bei der BARMER und zählt auf, was das Mikrobiom eines gesunden Menschen alles leisten soll: den Verdauungsprozess unterstützen und Schadstoffe abbauen, die Darmschleimhaut stärken, um so Krankheitserreger unschädlich zu machen, sowie entzündungshemmende Stoffe, Vitamine und Botenstoffe bilden, um so das Immunsystem zu regulieren.

Darm und Gehirn stehen in Verbindung

Forschende untersuchen, wie Signale aus dem Darm mit Vorgängen im Gehirn zusammenhängen. „Wenn der Volksmund vom Bauchgefühl spricht, steckt da viel Wahrheit drin, denn Darm und Gehirn stehen in ständigem Kontakt zueinander und beeinflussen sich gegenseitig“, erklärt Marschall. An der Darm-Gehirn-Achse wirken Nerven-, Hormon- und Immunsignale zusammen. Studien finden bei verschiedenen Erkrankungen Unterschiede im Darmmikrobiom. Solche Beobachtungen beweisen jedoch nicht, dass bestimmte Bakterien Depressionen oder Angstzustände verursachen. Ergebnisse aus Tierversuchen lassen sich zudem nicht ohne Weiteres auf Menschen übertragen. Eine fachliche Einordnung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung erläutert diese Grenzen.

Selbsttests dienen meist nur dem Hersteller

Wenn das Mikrobiom im Darm so entscheidend für die Gesundheit ist, sollte es dann regelmäßig untersucht werden? Von Selbsttests rät Marschall ab: „Die Anbieter müssen die Aussagekraft ihrer Tests nicht nachweisen und die auf Basis der Testergebnisse gegebenen Ernährungsempfehlungen sind meist nicht wissenschaftlich fundiert. Oftmals lautet die Empfehlung, Nahrungsergänzungsmittel einzunehmen, die meist vom gleichen Hersteller kommen.“ Außerdem fehlt bisher eine allgemeingültige Definition eines gesunden Mikrobioms. Es ist individuell sehr unterschiedlich und ändert sich im Tagesablauf je nach Ernährung. Eine größere Vielfalt ist nicht für sich allein ein verlässlicher Gesundheitsnachweis.

Ballaststoffreiche Ernährung unterstützt Mikrobiom im Darm

Wer seine kleinen Mitbewohner im Darm bei ihren komplexen Aufgaben unterstützen möchte, achtet auf eine ausgewogene Ernährung. „Obst, Gemüse und fermentierte Lebensmittel sind die Leibspeisen unserer Darmbakterien. Was sie außerdem mögen, sind ausreichend Schlaf und regelmäßig Bewegung“, sagt Marschall. Für die Ernährung empfiehlt die DGE ballaststoffreiche Lebensmittel wie Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte, Gemüse, Obst und Nüsse. Einzelne Lebensmittel lassen sich nicht unabhängig von Menge und gesamtem Ernährungsmuster pauschal als schädlich für die Darmflora einstufen.
Dieser Beitrag ist Teil des Themenfeldes: Das Mikrobiom: Wie fermentierte Lebensmittel die Darmgesundheit steuern.

Quelle: barmer.de