Neue forsa-Umfrage im Auftrag der mkk – meine krankenkasse: Gesund leben wollen viele, doch wenige kommen im Alltag dazu.
Grafik: mkk – meine krankenkasse
Jüngere Befragte nutzen häufig digitale Gesundheitsinformationen. Die meisten informieren sich über Gesundheit im Internet oder über Social Media – deutlich häufiger als ältere Generationen. Insgesamt nennen 64 Prozent der Befragten das Internet als wichtigste Informationsquelle zum Thema Gesundheit, bei den unter 30-Jährigen sind es sogar 72 Prozent. Die Themen sind allgegenwärtig: Fitness, mentale Balance, gesunde Ernährung. Gleichzeitig beschreibt ein großer Teil dieser Altersgruppe seinen Alltag als überfordernd. Zeitdruck, berufliche Unsicherheit und dauernde Sorgen führen dazu, dass jene Routinen fehlen, die als Grundlage für ein gesundes Leben gelten.
Überforderung und Sorgen halten die Jungen davon ab, sich zu erholen
Die Befragung beschreibt genannte Informationsquellen und selbstberichtete Alltagshürden. Wie gut das tatsächliche Gesundheitswissen ist und welche Ursachen mangelnde Bewegung hat, lässt sich daraus allein nicht ableiten. In der forsa-Umfrage nennen 77 Prozent der unter 30-Jährigen fehlende Motivation oder niemanden, der mitmacht, als Grund dafür, sich zu wenig zu bewegen; 74 Prozent sprechen von Zeitmangel. Auch beim Thema Entspannung zeigt sich ein ähnliches Bild: 44 Prozent der unter 30-Jährigen geben an, dass Überforderung bei der Arbeit sie davon abhält, ausreichend für Erholung zu sorgen, 41 Prozent nennen dauerhafte Sorgen.
Diese Diskrepanz zeigt sich auch bei konkreten Angeboten zur Gesundheitsvorsorge. Zwar gibt es in Deutschland ein breites Spektrum an Präventionsleistungen der Krankenkassen – von Bewegungs- über Ernährungs- bis zu Stresskursen. Doch genutzt werden sie vergleichsweise selten. In den vergangenen zwölf Monaten hat nur etwa jeder Zehnte einen Gesundheitskurs besucht. Insgesamt geben 41 Prozent der Befragten an, gar keine entsprechende Präventionsleistung genutzt zu haben. Besonders häufig trifft das auf jüngere Menschen zu: Unter den 18- bis 29-Jährigen sind es sogar 54 Prozent.
Viele wissen nichts von Präventionsangeboten
Die Gründe dafür sind erstaunlich banal und zugleich gesellschaftlich relevant. Viele wissen schlicht nicht, welche Angebote es gibt. Tatsächlich sagen 32 Prozent der Befragten, sie seien nicht ausreichend über Präventionsangebote ihrer Krankenkasse informiert. Andere sagen, sie hätten keine Zeit dafür. Wieder andere zweifeln daran, dass solche Programme wirklich etwas bringen. „Prävention scheitert weniger am fehlenden guten Willen als an den Rahmenbedingungen des Alltags“, sagt Andrea Galle, Vorständin der mkk – meine krankenkasse. „Solange Prävention ausschließlich als private Entscheidung angesehen wird, bleiben viele Angebote wirkungslos.“
Gesundheit ist nicht allein eine Frage individueller Disziplin. Eine deutliche Mehrheit der Befragten ist überzeugt, dass auch Politik und Gesellschaft stärker Verantwortung tragen sollten. Besonders häufig genannt wird die Forderung, Gesundheitsförderung stärker in die Bildungspolitik zu integrieren oder strukturelle Bedingungen für ein gesundes Leben zu verbessern. 69 Prozent halten das für eine wichtige Maßnahme, um die Gesundheit der Bevölkerung zu verbessern. Auch die Bundesschülerkonferenz (BSK) plädiert für mehr Gesundheitsbildung in der Schule. „Wir müssen uns die Frage stellen, ob Integralrechnung zu beherrschen wichtiger ist als zu wissen, wie man gesund lebt. Für uns liegt die Priorität in der Bildung ganz klar bei der Förderung lebensnaher Kompetenzen,“ sagt BSK-Generalsekretärin Amy Kirchhoff.
Gesundheit soll ins Grundgesetz
Vor diesem Hintergrund überrascht ein weiteres Ergebnis der forsa-Studie kaum: 61 Prozent der Befragten sprechen sich dafür aus, den Schutz der Gesundheit ausdrücklich im Grundgesetz zu verankern.
Die Debatte darum wollen die Vorständin der mkk – meine krankenkasse, Andrea Galle, und der emeritierte Sport- und Präventionswissenschaftler Prof. Dr. Ingo Froböse anstoßen. Beide haben eine Petition auf den Weg gebracht, die eine stärkere verfassungsrechtliche Verankerung von Gesundheitsförderung fordert. Die Idee dahinter ist, Gesundheit nicht nur als individuelles Ziel, sondern als staatliche Aufgabe zu definieren – ähnlich wie den Umwelt- oder Klimaschutz. Juristisch wäre das durchaus möglich. Ein Gutachten des ehemaligen Bundesverwaltungsrichters Dr. Martin Pagenkopf schlägt vor, ein Recht auf körperliche, geistige und seelische Gesundheit im Grundgesetz zu verankern und staatliche Verantwortung für Prävention ausdrücklich festzuschreiben.
Die Studie der mkk – meine krankenkasse zeigt, dass diese Diskussion einen Nerv trifft. Denn sie legt ein grundlegendes Problem offen: Gesundheit gilt heute als hohes gesellschaftliches Ideal, aber der Alltag vieler Menschen ist nicht darauf ausgelegt. Gerade die Jüngeren stehen exemplarisch für dieses Dilemma. Die häufige Nutzung von Gesundheitsinformationen belegt weder einen Wissensvorsprung gegenüber früheren Generationen noch einen objektiven Vergleich ihres Gesundheitszustands. Erst wenn Städte, Verkehrssysteme und soziale Strukturen so gestaltet sind, dass etwa Bewegung im Alltag selbstverständlich wird, könnte sich das ändern.
Auftraggeber und Methodik
Auftraggeberin und Herausgeberin der Ergebnisse ist die mkk – meine krankenkasse, die damit zugleich ihre Präventionsinitiative unterstützt. In ihrer Veröffentlichung zur Präventionsbefragung vom 23. Februar 2026 nennt sie eine forsa.omninet-Online-Erhebung unter 3.008 deutschsprachigen Erwachsenen ab 18 Jahren in Privathaushalten vom 5. bis 14. Januar 2026, gewichtet nach Region, Alter und Geschlecht. Auch die hier abgebildete Grafik nennt Januar 2026.
Die Meldung vom 16. März 2026, auf der dieser Beitrag beruht, weist die Größen der einzelnen Alters- und Antwortgruppen sowie vollständige Frageformulierungen nicht aus. Prozentwerte zu Bewegungshürden dürfen deshalb nicht als Anteil sämtlicher junger Erwachsener mit Bewegungsmangel gelesen werden. Die Angaben sind Selbstauskünfte, keine medizinischen Messungen oder nachgewiesenen Ursache-Wirkungs-Beziehungen.
Dieser Beitrag ist Teil des Themenfeldes: Ernährungskommunikation und Suchintentionen im Internet.
Quelle: meine-krankenkasse.de

