food-monitor: Eine Tierschutzorganisation berichtet über ein brasilianisches Gesetz gegen Herstellung und Handel von Stopfleber aus Zwangsmast und fordert vergleichbare Schritte in Deutschland.
Brasilien wird jetzt als zweites Land der Welt nicht nur die Herstellung, sondern auch den Handel mit Stopfleber durch Zwangsmast verbieten.
Brasilien ist nicht gerade für seine hohen Tierschutzstandards bekannt. Aber mit der Verabschiedung dieses Gesetzes setzt Brasilien einen weltweiten Maßstab, an dem sich auch Deutschland ein Beispiel nehmen sollte, so die Tierschutzorganisation Animal Equality.
Die Stopfleberproduktion gilt als eine der leidvollsten Praktiken der Tierindustrie. Enten und Gänse werden in kürzester Zeit so intensiv gemästet, dass ihre Lebern bis auf das Zehnfache ihrer natürlichen Größe anschwellen und erkranken. Dazu wird den Tieren mehrmals täglich ein bis zu 30 Zentimeter langes Metallrohr gewaltvoll über den Hals eingeführt und große Mengen Nahrungsbrei in den Magen gepumpt – das sogenannte Stopfen. Viele Tiere leiden unter verletzten und entzündeten Speiseröhren, einige haben gebrochene Schnäbel. Die Tiere werden in der Regel in kleinen Käfigen gehalten. Sie sind so eng, dass die Vögel nicht einmal ihre Flügel ausbreiten können. Sie haben keine Möglichkeit, sich zu bewegen oder natürliche Verhaltensweisen auszuleben.
Die international tätige Tierschutzorganisation Animal Equality setzt sich seit Jahren für ein Ende der Zwangsmast ein. Mit mehreren Undercover-Recherchen in der spanischen und französischen Stopfleberindustrie zeigt sie das Leid der Tiere und informiert die Öffentlichkeit über die grausame Praxis. Zu sehen sind unter anderem blutverschmierte Enten, die verzweifelt nach Luft ringen.
Meilenstein nach jahrelanger Tierschutzarbeit
Der bisher größte Erfolg der Tierschützer*innen: 2014 hat Indien seine Gesetzgebung erweitert. Es ist das erste Land der Welt, in dem die Herstellung sowie der Import von Stopfleber verboten wurden. Jetzt folgt Brasilien. Präsident Luiz Inácio Lula da Silva hat Ende letzter Woche einen Gesetzentwurf unterzeichnet, der landesweit die Herstellung und den Vertrieb von Nahrungsmitteln verbietet, die durch Zwangsmast von Tieren gewonnen werden. Das neue Gesetz tritt in wenigen Monaten in Kraft.
Die Verabschiedung des Gesetzes ist das direkte Ergebnis einer mehr als sechsjährigen Kampagne unter der Leitung von Animal Equality in Brasilien, unterstützt von zahlreichen Gruppen und Personen. Seit 2020 hat die Organisation in landwirtschaftlichen Betrieben und Schlachthöfen recherchiert, politische Lobbyarbeit geleistet, Protestaktionen durchgeführt und die Öffentlichkeit mittels einer Petition mobilisiert. Dieser konsequente Einsatz hat den vom Senator Eduardo Girão (Novo-CE) eingebrachten Gesetzentwurf 90/2020 bekräftigt und zum Erfolg geführt.
„Zwangsmast bedeutet extremes Tierleid. Doch während sich die EU als Vorreiter im Tierschutz inszeniert, ist sie gleichzeitig Hauptproduzent von Stopfleber – einem der grausamsten Tierprodukte weltweit. Brasilien hat jetzt ein klares Verbot erlassen. Die EU darf nicht länger zusehen. Wir fordern die Bundesregierung auf, sofort ein konsequentes EU-weites Verbot voranzutreiben.“
Vanessa Raith, Direktorin von Animal Equality Deutschland
Warum Deutschland weiterhin Stopfleber verkauft
Brasilien sendet ein klares internationales Signal, dessen Beispiel weitere Länder folgen könnten. Die Praxis der Zwangsmast selbst ist bereits in vielen Teilen der Welt aus Tierschutzgründen verboten, der Import vom Produkt Stopfleber jedoch nicht – so auch in Deutschland. Das Problem: Aufgrund der EU-Warenverkehrsfreiheit kann Deutschland als einzelnes Mitgliedsland kein nationales Importverbot für Stopfleber aus anderen EU-Ländern erlassen. Deswegen setzt sich Animal Equality auch hierzulande mit einer Kampagne samt Petition für ein Verbot der Zwangsmast in der gesamten Europäischen Union ein. Denn obwohl eine EU-Richtlinie von 1999 grausame Praktiken wie diese untersagt, werden durch Ausnahmeregelungen noch immer rund 80 Prozent der weltweiten Stopfleber in der EU hergestellt. Es braucht daher dringend EU-weite, verbindliche Gesetze ohne Ausnahmen, fordert Animal Equality.
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