Haferkur und Cholesterin: Was die Bonner Studie zeigt

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Eine kleine randomisierte Studie bei Menschen mit metabolischem Syndrom fand nach einer zweitägigen, kalorienarmen Haferkur einen stärkeren LDL-Rückgang als nach einer Kontrollkost. Für eine allgemeine Therapieempfehlung reicht das noch nicht.

Frühstück mit Haferflocken
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Zwei getrennte Interventionen mit je 34 Teilnehmenden

Die 2026 in Nature Communications veröffentlichte Arbeit umfasste zwei parallel durchgeführte randomisierte Studien. Eingeschlossen wurden insgesamt 68 Frauen und Männer im Alter von 45 bis 70 Jahren mit Übergewicht oder Adipositas und metabolischem Syndrom. Jede Intervention hatte 34 Teilnehmende, die jeweils einer Hafer- oder Kontrollgruppe zugeteilt wurden.

In der Kurzzeitstudie aß die Hafergruppe zwei Tage lang dreimal täglich je 100 Gramm mit Wasser gekochte Haferflocken, ergänzt durch wenig Obst oder Gemüse. Damit war die Kost stark kalorienreduziert. Auch die Kontrollgruppe erhielt eine kalorienarme, ballaststoffreiche Kost, jedoch ohne Hafer.

In der zweiten Studie ersetzte die Hafergruppe sechs Wochen lang täglich eine Mahlzeit durch 80 Gramm Haferflocken; die Kontrollgruppe behielt ihre übliche westlich geprägte Ernährung bei.

LDL sank nach der hoch dosierten Kurzzeitkost

Nach den zwei Tagen sank das LDL-Cholesterin in der Hafergruppe stärker als in der Kontrollgruppe. Die Forschenden berichten im Gruppenvergleich eine Abnahme um rund 16 Milligramm pro Deziliter; innerhalb der Hafergruppe entsprach der Rückgang ungefähr zehn Prozent. Auch Gewicht und diastolischer Blutdruck veränderten sich günstiger.

Weil beide Kurzzeitgruppen weniger Energie aufnahmen und nur wenige Personen untersucht wurden, lässt sich der Effekt nicht einfach auf ein normales Frühstück oder auf alle Menschen mit erhöhtem Cholesterin übertragen. Der Vergleich zeigt einen zusätzlichen Effekt der haferreichen Kost unter genau diesen Studienbedingungen – nicht, dass zwei Hafertage Medikamente ersetzen.

Die sechswöchige Intervention mit 80 Gramm täglich veränderte bestimmte Hafer-Metaboliten im Blut, zeigte für die klinischen Stoffwechselwerte aber deutlich geringere Effekte als die hoch dosierte Kurzzeitkost.

Welche Rolle das Darmmikrobiom spielen könnte

Die Forschenden untersuchten Darmbakterien und Stoffwechselprodukte, darunter Ferulasäure und mikrobiell gebildete Abbauprodukte. Veränderungen dieser Metaboliten waren mit dem Cholesterinrückgang verbunden. Zusätzliche Laborversuche stützten den möglichen mikrobiellen Stoffwechselweg.

Eine solche Verbindung erklärt einen plausiblen Mechanismus, beweist aber nicht, dass einzelne Bakterien oder Metaboliten allein den LDL-Rückgang verursachten. Hafer liefert außerdem Beta-Glucan, einen löslichen Ballaststoff mit bereits gut untersuchter cholesterinsenkender Wirkung. Aufbau, Vorkommen und Eigenschaften erläutert der Beitrag „Beta-Glucan: wichtiger Ballaststoff im Hafer“.

Was sich praktisch ableiten lässt

Haferflocken können als Vollkornlebensmittel regelmäßig in eine ausgewogene Ernährung passen – etwa im Porridge, Müsli, Brot oder in herzhaften Gerichten. Eine extreme Haferkur mit 300 Gramm täglich ist jedoch kein notwendiger Standard und kann einseitig sein.

  • Bei erhöhtem LDL zählt das gesamte Herz-Kreislauf-Risiko, nicht nur ein einzelner Messwert.
  • Verordnete Cholesterinsenker nicht eigenständig absetzen oder reduzieren.
  • Bei Diabetes können 300 Gramm Hafer die Kohlenhydratmenge und Medikation relevant beeinflussen.
  • Eine stark kalorienreduzierte Kost bei Erkrankungen fachlich abstimmen.

Wie Hafer, Fettqualität, Hülsenfrüchte und Salz in ein herzgesundes Muster passen, erklärt „Herzgesund essen: mediterran, ballaststoffreich, wenig Salz“.

Originalstudie: Klümpen et al., Nature Communications 2026.

Aktualisiert am 14. August 2026

Quelle: bzfe.de