Bei ARFID wird die Nahrungsaufnahme stark eingeschränkt – aus Angst, Ekel, sensorischer Empfindlichkeit oder geringem Interesse am Essen. Die Essstörung kann bei jedem Körpergewicht auftreten.

ARFID steht für Avoidant/Restrictive Food Intake Disorder, auf Deutsch vermeidend-restriktive Ernährungsstörung. Betroffene essen nur eine sehr begrenzte Auswahl oder zu geringe Mengen. Anders als bei Magersucht ist die Einschränkung nicht vorrangig durch den Wunsch nach Gewichtsabnahme oder eine verzerrte Körperwahrnehmung begründet.
Drei typische Muster
- starke Empfindlichkeit gegenüber Konsistenz, Geruch, Geschmack oder Aussehen von Lebensmitteln,
- Angst vor negativen Folgen wie Verschlucken, Erbrechen oder Schmerzen,
- geringes Interesse am Essen oder ein schwach ausgeprägtes Hungerempfinden.
Wählerisches Essen allein bedeutet noch keine ARFID. Für eine Diagnose müssen deutliche Folgen vorliegen – etwa Gewichtsverlust oder ausbleibendes Wachstum, Nährstoffmängel, Abhängigkeit von Trinknahrung beziehungsweise Sondenernährung oder eine erhebliche psychosoziale Belastung. Auch Menschen mit Normal- oder Übergewicht können mangelversorgt und behandlungsbedürftig sein.
Studie erweitert den Blick auf Erwachsene
Eine Untersuchung der Universitätsmedizin Leipzig umfasste 369 Erwachsene, von denen ein Teil zusätzlich klinisch interviewt wurde. In der untersuchten Gruppe hatten 34 Prozent der Erwachsenen mit ARFID ein erhöhtes Körpergewicht. Sie berichteten häufig selektives Essen und starke Beeinträchtigungen im Alltag. Die Ergebnisse zeigen, dass Körpergewicht allein ungeeignet ist, ARFID auszuschließen.
Die Studie beschreibt eine ausgewählte Untersuchungsgruppe und liefert keine Häufigkeitsangabe für die Gesamtbevölkerung. Auch die berichteten Stoffwechselrisiken belegen nicht, dass ARFID deren alleinige Ursache ist.
Diagnose und Behandlung
Die Abklärung gehört in ärztliche und psychotherapeutische Hände. Sie schließt körperliche Ursachen, andere Essstörungen, Allergien und Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts ein. Je nach Situation werden Psychotherapie, Ernährungsberatung, medizinische Behandlung von Mängeln und die schrittweise Erweiterung der Lebensmittelauswahl kombiniert. Bei deutlicher Schwäche, Austrocknung, Kreislaufproblemen oder raschem Gewichtsverlust ist zeitnahe medizinische Hilfe nötig.
Wie sich vorübergehendes wählerisches Essverhalten bei kleinen Kindern von behandlungsbedürftigen Problemen abgrenzen lässt, erklärt Wenn Kleinkinder wählerisch beim Essen sind.
Weitere Informationen: Universität Leipzig zur ARFID-Studie und die Originalpublikation.
Aktualisiert am 14. August 2026
Quelle: Universität Leipzig / food-monitor
