Allein der Glaube zählt: Gesundheitstrend Scheinfasten

Veröffentlichung honorarfrei bei Link zu: food-monitor.de

„Scheinfasten“ ist Fasten ohne ganz aufs Essen zu verzichten.

Frühstück als lächelndes Gesicht auf einem blauen Teller mit Spiegelei auf Toast, Kaffee und gebratenem Speck

Symbolbild: Das abgebildete Frühstück mit Ei und Speck entspricht nicht der beschriebenen pflanzlichen Scheinfasten-Kost.

Wer scheinfasten möchte, verzichtet fünf Tage lang auf tierische Lebensmittel, wie Milchprodukte, Fleisch, Fisch und Eier. Außerdem kommen weder Getreideprodukte wie Brot und Nudeln sowie Kartoffeln auf den Teller noch Zucker oder Alkohol. Kaffee ohne Milch und Zucker – auch mit Koffein – kann in kleinen Mengen getrunken werden. Vorgesehen sind drei kleine Mahlzeiten mit insgesamt rund 700 Kalorien, am ersten Fastentag bis zu 1000 Kalorien. Das sind etwa 30 bis 50 Prozent eines durchschnittlichen Energiebedarfs. Auf dem Speiseplan stehen Gemüse, Beeren, Nüsse und hochwertige pflanzliche Öle sowie pflanzliche Milch- und Joghurtalternativen.

Die Mahlzeiten beim Scheinfasten enthalten insgesamt wenig Kohlenhydrate und wenig Protein, dafür viele günstige Fettsäuren und Ballaststoffe. Wie gut die kleinen Mahlzeiten sättigen, ist individuell unterschiedlich. Scheinfasten kann im Körper ähnliche Effekte wie das Heilfasten entfalten. Bei der stark verminderten Energiezufuhr verändert sich der Stoffwechsel; daraus allein lässt sich jedoch kein langfristiger Gesundheitsnutzen ableiten. Da bislang hauptsächlich Kurzzeit-Studien mit wenigen Teilnehmenden durchgeführt wurden, ist die wissenschaftliche Datenlage insgesamt noch nicht ausreichend, um allgemeine Empfehlungen aussprechen zu können. Es fehlen großangelegte Langzeitstudien. Einige Fragen sind deshalb noch nicht ausreichend erforscht. Zum Beispiel, wie oft das Scheinfasten durchgeführt werden sollte und wer genau davon profitiert.

Eine 2024 veröffentlichte Auswertung von Brandhorst und Mitforschenden untersuchte nach mehreren fünftägigen Scheinfasten-Zyklen unter anderem Stoffwechselwerte und ein aus Biomarkern berechnetes biologisches Alter. In einer Teilgruppe mit 52 Personen sank dieser rechnerische Alterswert nach drei Zyklen im Median um etwa 2,5 Jahre. Das bedeutet weder eine nachgewiesene dauerhafte Verjüngung noch 2,5 zusätzliche Lebensjahre. Die Auswertungen waren teilweise nachträglich und explorativ; einzelne Messungen beruhten auf sehr kleinen Teilgruppen.

Die Studie belegt keine tatsächlich geringere Häufigkeit von Diabetes, Schlaganfällen oder Krebs. Entsprechende langfristige Risiken wurden anhand der veränderten Messwerte modelliert, nicht durch eine langjährige Beobachtung von Erkrankungen nachgewiesen. Ergebnisse zu Zellregeneration aus Tierexperimenten lassen sich ebenfalls nicht als belegter „Reinigungseffekt“ beim Menschen darstellen.

Eine allgemeine Empfehlung zur wiederholten Anwendung bei chronischen Erkrankungen lässt sich daraus nicht ableiten. Ob die starke Kalorienreduktion individuell geeignet ist, sollte vorab ärztlich geklärt werden, insbesondere bei Vorerkrankungen oder Medikamenteneinnahme. Kinder, Jugendliche, schwangere und stillende Frauen sowie Menschen mit Essstörungen sollten auf das Scheinfasten verzichten.

Julia Icking

Quelle: bzfe.de