Online-Bestellsysteme für Restaurants im Vergleich

Veröffentlichung honorarfrei bei Link zu: food-monitor.de

Wer Speisen zur Abholung oder Lieferung anbietet, steht vor einer Grundsatzentscheidung.

Lieferdienst, Restaurant
Foto: food-monitor / KI

Entweder läuft die Bestellung über einen Marktplatz, der Reichweite mitbringt und dafür einen Anteil am Umsatz einbehält, oder über einen eigenen Kanal, für den eine feste Monatsgebühr anfällt und die Nachfrage selbst erzeugt werden muss. Die folgende Übersicht ordnet sieben Anbieter nach diesem Zuschnitt und nennt die Preise, die öffentlich einsehbar sind.

Alle Beträge verstehen sich netto und beziehen sich auf den Stand vom September 2026. Wo ein Anbieter keine Zahlen veröffentlicht, steht das ausdrücklich dabei.

Warum die Kostenfrage schwerer wiegt als früher

Die wirtschaftliche Lage macht die Rechnung empfindlich. Wareneinsatz und Personalkosten sind in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen, während die Gäste beim Bestellwert sparsamer geworden sind. Jede laufende Gebühr und jeder Prozentpunkt Provision wirken unter diesen Vorzeichen unmittelbar auf die Marge.

Lieferando

Der Marktplatz der yd. yourdelivery GmbH ist der Gegenpol zu allen anderen Einträgen dieser Liste, weil er als einziger eigene Nachfrage mitbringt und nach eigenen Angaben über 40.000 Partnerbetriebe führt. Das Unternehmen wirbt damit, dass keine Anmeldegebühr anfällt, auf Provisionsbasis abgerechnet wird und jederzeit gekündigt werden kann. Die Höhe der Provision wird nicht veröffentlicht und ergibt sich aus dem einzelnen Vertrag. Passend für Betriebe, die zusätzliche Gäste erreichen wollen und den Umsatzanteil als Marketingkosten verbuchen.

GastroSprint

Das Online Bestellsystem Gastrosprint richtet sich an Restaurants, Imbisse und Lieferdienste, die einen eigenen provisionsfreien Bestellshop suchen und unabhängiger von Marktplätzen werden wollen.

Der Einstiegstarif Direkt startet bei 64 Euro netto im Monat, verlangt keine Einrichtungsgebühr und läuft einen Monat. Nach Angaben des Anbieters ist der Bestellshop innerhalb von 24 Stunden online. Die vorhandene Speisekarte wird dafür per KI-Import als bearbeitbarer Entwurf übernommen und erst nach Freigabe veröffentlicht.

Mit dem Tarif Growth ergänzt GastroSprint für 119 Euro netto im Monat eine eigene Restaurant-App für iPhone und Android, dazu Funktionen zur Kundenbindung wie Punkte, Prämien und Push-Mitteilungen. Der Tarif Complete umfasst zusätzlich eine Restaurant-Website einschließlich Hosting und technischer Wartung und kostet 149 Euro netto monatlich plus einmalig 499 Euro netto für die Einrichtung. Growth und Complete laufen jeweils drei Monate.

Das Angebot passt besonders zu Betrieben, die Direktbestellungen und Stammkundschaft unter der eigenen Marke aufbauen möchten, auch als Ergänzung zu bestehenden Lieferportalen.

GloriaFood

Die zu Oracle gehörende Lösung nimmt keine neuen Betriebe mehr an. Der Konzern hat die Einstellung angekündigt, der Dienst endet im Frühjahr 2027. Bis dahin läuft die Basisversion für bestehende Nutzer ohne Bestellprovision, Monatsgebühr und Einrichtungskosten weiter. Sie umfasst ein Bestellwidget für Website und Facebook-Seite, Abholung, Lieferung und Tischreservierung. Kostenpflichtig sind Zusätze wie die Online-Zahlung für 29 US-Dollar oder eine Marken-App für 59 US-Dollar im Monat, jeweils zuzüglich Steuern. Wer GloriaFood heute einsetzt, sollte den Umstieg frühzeitig planen, damit Speisekarte, Liefergebiete und Stammkundendaten rechtzeitig umziehen.

gastronovi

Das Bremer Unternehmen bietet zwei Modelle zur Wahl, entweder 69 Euro im Monat als Festpreis oder 29 Euro plus fünf Prozent vom Onlineumsatz mit 99 Euro Einrichtungsgebühr. Die Mindestlaufzeit beträgt drei Monate. Entscheidend ist eine Einschränkung, die der Anbieter selbst benennt, denn das Bestellmodul lässt sich nur zusammen mit der hauseigenen Kasse nutzen, eine Anbindung fremder Kassensysteme ist ausgeschlossen. Für Betriebe, die ohnehin wechseln wollen, ergibt das ein geschlossenes Paket.

resmio

Der Nürnberger Anbieter kommt aus der Tischreservierung und hat das Bestellmodul später ergänzt. Die Stufen heißen Basic mit 0 Euro, Premium mit 69,90 Euro und Ultimate mit 129,90 Euro im Monat, die Mindestlaufzeit liegt bei zwölf Monaten. Auf Bestellungen fallen vier Prozent bei Abholung und Lieferung an sowie zwei Prozent bei Bestellungen am Tisch, alternativ gibt es eine Flatrate für 149,90 Euro. Die vielfach beworbene Provisionsfreiheit bezieht sich allein auf vermittelte Reservierungen.

SIDES

Die Berliner SimplyDelivery GmbH tritt seit dem Rebranding als SIDES auf. Fünf Stufen reichen von 74 Euro für Basic über 239 Euro für Web und 274 Euro für Web und App bis zu 399 Euro für Pro und 659 Euro für Enterprise. Für den eigenen Webshop und die App wirbt das Unternehmen mit null Prozent Provision. Zu beachten ist die Vertragsbindung von 24 Monaten mit drei Monaten Kündigungsfrist. Die Marken-App erscheint im Sammelkonto des Anbieters, nicht im Entwicklerkonto des Restaurants.

orderbird

orderbird kommt aus dem Kassengeschäft. Das QR-Bestellsystem für den Tisch kostet 39,90 Euro im Monat und lässt sich ausschließlich als Erweiterung der eigenen Kasse buchen, deren Pakete bei 99,90 Euro beginnen. Ein Webshop für Abholung oder Lieferung und eine Anbindung an Lieferportale sind auf den Produktseiten nicht dokumentiert. Für Betriebe mit Tischgeschäft, die Wartezeiten am Service verkürzen wollen, ist das eine schlanke Ergänzung, ein Ersatz für einen Bestellkanal außer Haus ist es nicht.

Was über den Monatspreis hinaus zählt

Alle genannten Gebühren treffen auf eine Branche, die real schrumpft. Der Gastgewerbeumsatz im Juni 2026 lag real 5,1 Prozent unter dem Vorjahresmonat, während er nominal um 2,3 Prozent zulegte. Für das erste Halbjahr weist das Statistische Bundesamt in der Gastronomie ein reales Minus von 5,7 Prozent bei einem nominalen Plus von 2,2 Prozent aus. Die Betriebe nehmen also mehr Geld ein und verkaufen gleichzeitig weniger. Ein Umsatzanteil von fünf Prozent trifft in dieser Lage härter als in Jahren mit wachsender Nachfrage.

Der Monatspreis sagt für sich genommen wenig aus. Diese Punkte trennen die Angebote deutlicher:

  • Vertragslaufzeit, die von einem Monat bis zu 24 Monaten mit drei Monaten Kündigungsfrist reicht

  • Einrichtungsgebühr, die je nach Anbieter entfällt oder 99 bis 499 Euro beträgt

  • Zahlungsgebühren, die auch dann anfallen, wenn keine Bestellprovision erhoben wird

  • Bindung an ein bestimmtes Kassensystem, die spätere Wechsel teuer macht

  • Eigentum an der App im Store, weil ein Sammelkonto den Umzug zu einem anderen Anbieter erschwert

Hinzu kommen Pflichten, die unabhängig vom System gelten. Die Mehrwegangebotspflicht bindet jeden Betrieb, der Speisen außer Haus verkauft, und Kontrollen der Deutschen Umwelthilfe zeigten zuletzt bei 18 von 32 geprüften Filialen Verstöße gegen Angebots- und Informationspflichten. Ein Bestellsystem sollte die Mehrwegoption deshalb genauso selbstverständlich anzeigen wie die Einwegvariante.

Ebenso wenig ersetzt die Software die fachliche Planung. Eine Übersicht zur Gemeinschaftsverpflegung in Deutschland bringt das auf den Punkt, denn digitale Bestell- und Planungssysteme vereinfachen Abläufe, nehmen der Küche die Steuerung aber nicht ab.

Für die Auswahl empfiehlt sich ein nüchterner Dreisatz. Zuerst wird geschätzt, wie viele Bestellungen im Monat außer Haus gehen und welchen Durchschnittswert sie haben. Daraus ergibt sich, ab welchem Umsatz ein Festpreis günstiger ist als ein Umsatzanteil. Anschließend wird geprüft, welche Systeme zur vorhandenen Kasse passen und wie lange die Bindung dauert. Erst danach lohnt der Blick auf Ausstattung und Design, denn die schönste Oberfläche nützt wenig, wenn der Vertrag zwei Jahre läuft und die Marge nicht trägt.

gastrosprint.de