Bittere Kräuterextrakte regten in einem Zellmodell die Protonenabgabe von Magenzellen an. Die Ergebnisse erklären einen möglichen Mechanismus – sie belegen aber noch keine verdauungsfördernde Wirkung beim Menschen.
Eine 2026 veröffentlichte Laborstudie untersuchte ein handelsübliches pflanzliches Kombinationspräparat und Extrakte aus neun enthaltenen Pflanzen. Im Mittelpunkt standen Bitterrezeptoren außerhalb der Mundhöhle und die Frage, ob sie an der Bildung von Magensäure beteiligt sein könnten.
Was genau untersucht wurde
Das Forschungsteam arbeitete mit HGT-1-Zellen. Diese unsterbliche Zelllinie dient als Modell für säurebildende Zellen des Magens. Gemessen wurde die Abgabe von Protonen, aus denen im Magen zusammen mit Chlorid Salzsäure entsteht.
Untersucht wurden Extrakte aus Wermut, Salbei, Schafgarbe, Tausendgüldenkraut, Wegwarte, Enzian, Wacholder, Meisterwurz und Löwenzahn. Meisterwurz, Wacholder, Salbei und Schafgarbe lösten im getesteten System vergleichsweise starke Reaktionen aus. Löwenzahn und Enzian zeigten in den geprüften Konzentrationen keine bedeutsame Wirkung.
Bitterrezeptoren waren beteiligt
Die stärkeren Reaktionen traten tendenziell bei Extrakten mit höherem Gesamtgehalt an phenolischen Verbindungen auf. Wurden die Bitterrezeptoren TAS2R4, TAS2R5 oder TAS2R39 mit molekularbiologischen Methoden ausgeschaltet beziehungsweise herunterreguliert, fiel die Protonenabgabe geringer aus. Das spricht dafür, dass diese Rezeptoren am beobachteten Zellmechanismus beteiligt sind.
Das vollständige Kräutergemisch stimulierte die Protonenabgabe stärker als mehrere Teilmischungen. Daraus lässt sich eine Wechselwirkung verschiedener Bestandteile vermuten. Welche einzelnen Stoffe dafür verantwortlich sind und ob sie sich gegenseitig tatsächlich verstärken, ist damit aber noch nicht abschließend geklärt.
Was die Studie nicht beweist
Die Versuche fanden nicht an Menschen, sondern an einer Zelllinie statt. Sie untersuchten weder Beschwerden noch Verdauungsleistung, Verträglichkeit oder eine klinisch sinnvolle Dosis. Auch Aufnahme, Umbau und Ausscheidung der Pflanzenstoffe im Körper wurden im Zellmodell nicht abgebildet.
Mehr Magensäure ist außerdem nicht automatisch gesund oder verdauungsfördernd. Bei Reflux, Magenschleimhautentzündung oder Geschwüren kann zusätzliche Säure Beschwerden verstärken. Aus den Laborwerten folgt deshalb weder eine allgemeine Einnahmeempfehlung noch ein Wirknachweis für das untersuchte Präparat.
Eine kritische Einordnung von Tropfen, Pulvern und anderen Angeboten bietet der Beitrag „Bittere Trendprodukte: unnötig bis bedenklich“.
Finanzierung und Interessenkonflikte
Die Studie wurde von der Weleda AG finanziell unterstützt. Nach Angaben der Autorinnen und Autoren war das Unternehmen nicht an Studienkonzeption, Datenerhebung, Auswertung, Manuskript oder Veröffentlichungsentscheidung beteiligt. Zwei Mitautoren waren bei Weleda beschäftigt.
Diese offengelegten Beziehungen machen die Ergebnisse nicht automatisch unbrauchbar. Sie sind aber für die Bewertung wichtig – besonders weil ein kommerzielles Präparat untersucht wurde und klinische Bestätigungsstudien noch fehlen.
Die Originalpublikation ist unter dem DOI 10.1002/mnfr.70443 abrufbar.
Aktualisiert am 14. August 2026. Bearbeitung: food-monitor / KI.
Quellenorganisation: Leibniz-Institut für Lebensmittel-Systembiologie an der Technischen Universität München.
Quelle: leibniz-lsb.de
