Kamillentee und Brennnesseltee: Wirkung einordnen

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Getrocknete Kamillenblüten für Kamillentee
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Kräutertees sind Aufgussgetränke aus Blättern, Blüten, Früchten, Samen oder Wurzeln. Sie enthalten keinen Tee im botanischen Sinn, denn dieser stammt von der Teepflanze Camellia sinensis. Im Lebensmittelhandel werden Kräuter- und Früchtetees deshalb auch als teeähnliche Erzeugnisse bezeichnet.

Viele Kräuter werden traditionell bei leichten Beschwerden verwendet. Daraus folgt jedoch nicht, dass jeder Kräutertee eine Krankheit behandeln kann. Bei zugelassenen pflanzlichen Arzneitees sind Pflanzenart, Dosierung, Anwendungsgebiet und Warnhinweise festgelegt. Ein gewöhnlicher Lebensmitteltee ist damit nicht automatisch gleichzusetzen.

Kamillentee: traditionell bei leichten Beschwerden

Zubereitungen aus Echter Kamille (Matricaria chamomilla) werden traditionell bei leichten krampfartigen Magen-Darm-Beschwerden, Blähungen sowie bei kleineren Entzündungen im Mund- und Rachenraum eingesetzt. Die Europäische Arzneimittel-Agentur ordnet diese Anwendungen als traditionelle Verwendung ein. Das bedeutet: Die langjährige Nutzung macht eine Wirkung plausibel, die klinische Studienlage reicht aber nicht für umfassende Heilversprechen aus.

Kamillentee „desinfiziert“ den Körper nicht und ersetzt keine Behandlung. Menschen mit einer Allergie gegen Korbblütler können auch auf Kamille allergisch reagieren. Treten Schwellungen, Atembeschwerden oder andere deutliche Reaktionen auf, ist medizinische Hilfe erforderlich.

Brennnesseltee: kein Mittel zum Entgiften oder Abnehmen

Brennnesselkraut (Urtica dioica oder Urtica urens) wird in pflanzlichen Arzneimitteln traditionell zur Erhöhung der Urinmenge und damit zur unterstützenden Durchspülung der Harnwege bei leichten Beschwerden verwendet. Nach der aktuellen europäischen Pflanzenmonografie zu Brennnesselkraut ist dabei eine ausreichende Flüssigkeitsaufnahme notwendig.

Brennnesseltee „reinigt“ weder das Blut noch schwemmt er angebliche Giftstoffe aus dem Körper. Auch eine zuverlässige Gewichtsabnahme oder Stoffwechselbeschleunigung ist nicht belegt. Wer wegen einer Herz- oder Nierenerkrankung nur begrenzt trinken darf, sollte harntreibende Kräuterzubereitungen nicht ohne ärztlichen Rat verwenden. Bei Fieber, Blut im Urin, Schmerzen oder anhaltenden Harnwegsbeschwerden ist eine medizinische Abklärung notwendig.

Fenchel, Salbei und Hibiskus nicht pauschal als Medizin betrachten

Auch für Fenchel, Salbei oder Hibiskus gibt es traditionelle Anwendungsgebiete und teilweise wissenschaftliche Untersuchungen. Daraus lassen sich jedoch keine pauschalen Versprechen wie „senkt sicher den Blutdruck“, „reguliert Hormone“ oder „heilt Halsschmerzen“ ableiten. Arzneimittel dürfen zudem anders dosiert sein als Lebensmitteltee.

Besondere Vorsicht gilt bei Säuglingen und Kleinkindern, in Schwangerschaft und Stillzeit, bei Vorerkrankungen sowie bei gleichzeitiger Einnahme von Medikamenten. Hier sollten die Packungsangaben beachtet und im Zweifel Arztpraxis oder Apotheke gefragt werden.

So wird Kräutertee sicher zubereitet

Kräutertee sollte nach den Angaben auf der Verpackung mit sprudelnd kochendem Wasser aufgegossen werden und ausreichend lange ziehen. Wer regelmäßig Kräutertee trinkt, kann zwischen Pflanzenarten und Marken abwechseln. Der Beitrag „Untersuchungen von rund zweihundert Kräutertees ergaben unbedenkliche Ergebnisse“ informiert über aktuelle Kontrollen auf unerwünschte Stoffe.

Anhaltende, starke oder wiederkehrende Beschwerden gehören ärztlich abgeklärt. Kräutertee kann dann allenfalls begleiten, aber keine notwendige Diagnose oder Therapie ersetzen.

Redaktionell und fachlich aktualisiert: food-monitor, 11. August 2026

Quelle: Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA), Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) und Bundeszentrum für Ernährung (BZfE) / food-monitor



Rezept: Kräutertee mit Apfel und Kamille

Zutaten für 3 Tassen

  • 1 TL getrocknete Kamillenblüten in Lebensmittelqualität
  • 1 TL getrocknete Zitronenmelisse in Lebensmittelqualität
  • 1 kleiner Apfel
  • 750 ml Wasser

Zubereitung

  1. Apfel gründlich waschen, vierteln, das Kerngehäuse entfernen und das Fruchtfleisch in dünne Scheiben schneiden.
  2. Kamille, Zitronenmelisse und Apfelscheiben in eine hitzebeständige Kanne geben.
  3. Mit sprudelnd kochendem Wasser übergießen, abdecken und nach Packungsangabe etwa 8 bis 10 Minuten ziehen lassen.
  4. Durch ein feines Sieb gießen und vorsichtig warm servieren.

Sicherheit und Allergene: Nur als Lebensmittel angebotene Kräuter verwenden. Bei einer Allergie gegen Korbblütler Kamille meiden. Für Säuglinge und Kleinkinder, in Schwangerschaft und Stillzeit, bei Erkrankungen oder Medikamenteneinnahme vor regelmäßigem Gebrauch fachlichen Rat einholen. Vorsicht mit kochendem Wasser.