Mangelernährung ist nicht am Körpergewicht allein erkennbar
Mangelernährung entsteht, wenn dem Körper über längere Zeit zu wenig Energie, Protein oder andere notwendige Nährstoffe zur Verfügung stehen. Sie kann bei Untergewicht auftreten, aber ebenso bei Normalgewicht, Übergewicht oder Adipositas. Besonders gefährdet sind ältere Menschen sowie Patientinnen und Patienten mit akuten, chronischen oder schweren Erkrankungen.
Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Ernährungsmedizin (DGEM) sind bis zu 30 Prozent der Krankenhauspatientinnen und -patienten mangelernährt oder haben ein erhöhtes Risiko. Eine unbeabsichtigte Gewichtsabnahme, deutlich weniger Appetit, eine anhaltend geringe Nahrungsaufnahme, Muskelschwäche und nachlassende Belastbarkeit sind wichtige Warnzeichen.
Warum Muskelverlust so folgenreich ist
Fehlen Energie und Protein, baut der Körper Muskelmasse ab. Im Alter oder während einer Erkrankung kann dieser Verlust besonders schnell voranschreiten. Mögliche Folgen sind Schwäche, Stürze, schlechtere Wundheilung, mehr Behandlungskomplikationen und der Verlust von Selbstständigkeit.
Auch Menschen mit Adipositas können gleichzeitig zu wenig Muskelmasse besitzen. Diese sogenannte sarkopene Adipositas lässt sich durch den Blick auf das Körpergewicht allein leicht übersehen. Der Beitrag „Untergewicht als Gefahr für ältere Menschen“ erklärt, welche Veränderungen im Alltag früh auffallen können.
Screening, Untersuchung und individuelle Therapie
Die DGEM-Leitlinie zur klinischen Ernährung im Alter empfiehlt, ältere Menschen unabhängig von Diagnose und Körpergewicht regelmäßig mit einem geprüften Verfahren auf Mangelernährung zu untersuchen. Bei einem auffälligen Ergebnis folgt ein ausführliches Assessment. Erst danach werden Ziele und Maßnahmen festgelegt und im Verlauf überprüft.
Zur Behandlung können energiereichere Mahlzeiten, zusätzliche Proteinquellen, Zwischenmahlzeiten, Trinknahrung oder bei medizinischer Notwendigkeit enterale beziehungsweise parenterale Ernährung gehören. Ursachen wie Schluckstörungen, Schmerzen, Depression, Nebenwirkungen von Medikamenten oder soziale Probleme müssen ebenfalls behandelt werden. Eigenständige Nahrungsergänzung ersetzt diese Abklärung nicht.
Neue Vorgaben für Krankenhäuser
Im März 2026 beauftragte der Bundestag den Gemeinsamen Bundesausschuss, verbindliche Qualitätsvorgaben für die systematische Erkennung von Mangelernährung im Krankenhaus zu entwickeln. Die konkrete Umsetzung hängt von den noch auszuarbeitenden Vorgaben ab.
Die häufig genannte Zahl von mehr als 50.000 vermeidbaren Todesfällen pro Jahr ist keine gezählte Fallzahl. Sie ist eine von der DGEM veröffentlichte Hochrechnung auf Basis von Krankenhausdaten und Studien zur Wirkung eines systematischen Ernährungsmanagements. Die zugrunde liegende Aussage bleibt wichtig: Frühes Erkennen und eine individuell angepasste Ernährungstherapie können Komplikationen und Sterblichkeit senken.
Aktualisiert am 14. August 2026
Quelle: Deutsche Gesellschaft für Ernährungsmedizin (DGEM) / food-monitor / KI
