Nahrungsergänzungsmittel sind konzentrierte Lebensmittel, keine Arzneimittel. Für gesunde Menschen mit abwechslungsreicher Ernährung sind sie meist nicht nötig; in einzelnen Lebensphasen, bei bestimmten Ernährungsformen oder nachgewiesenem Mangel können sie sinnvoll sein.

Hohe Nachfrage ist kein Wirksamkeitsbeleg
Marktdaten aus dem Jahr 2019 zeigten bereits Milliardenumsätze und steigende Verkäufe in Apotheken. Diese historischen Zahlen belegen Nachfrage, sagen aber nichts darüber aus, ob die gekauften Präparate medizinisch notwendig oder wirksam waren. Für aktuelle Marktgrößen wären neue, methodisch vergleichbare Daten nötig.
Wann Ergänzungen empfohlen werden können
- Folsäure: Bei Kinderwunsch wird eine rechtzeitige Ergänzung vor der Schwangerschaft und im ersten Schwangerschaftsdrittel empfohlen.
- Vitamin D: Säuglinge erhalten eine ärztlich empfohlene Prophylaxe. Bei Erwachsenen ist eine Ergänzung vor allem bei unzureichender Eigenbildung, Risikofaktoren oder nachgewiesenem Mangel zu prüfen.
- Vitamin B12: Bei veganer Ernährung ist eine zuverlässige Ergänzung notwendig.
- Jod: In Schwangerschaft und Stillzeit kann eine Ergänzung empfohlen sein; bei Schilddrüsenerkrankungen ist vorher ärztlicher Rat wichtig.
- Weitere Nährstoffe: Eisen, Calcium oder andere Präparate sollten sich an Diagnose, Ernährung und individuellem Bedarf orientieren.
Mehr ist nicht automatisch besser
Vitamine und Mineralstoffe können in hoher Dosis schaden. Beispiele sind Vitamin D mit erhöhtem Calciumspiegel, Vitamin A in der Schwangerschaft, Vitamin B6 mit Nervenschäden oder Eisen bei unnötiger Einnahme. Kombiprodukte erhöhen das Risiko, denselben Stoff aus mehreren Quellen zuzuführen.
Nahrungsergänzungsmittel werden vor dem Verkauf nicht wie Arzneimittel auf Wirksamkeit geprüft. „Natürlich“, „hoch dosiert“ oder ein prominentes Testimonial sind keine Qualitätsnachweise. Auch pflanzliche Inhaltsstoffe können Neben- und Wechselwirkungen verursachen.
Für Menschen mit Diabetes gelten zusätzliche Fragen, etwa Vitamin B12 bei langfristiger Metformin-Einnahme oder Risiken bei Nierenkrankheiten. Diese Punkte ordnet „Nahrungsergänzungsmittel bei Diabetes: Wann sie sinnvoll sind“ ein.
So lässt sich der Bedarf klären
Zuerst sollten Ernährungsweise, Beschwerden, Erkrankungen und Medikamente geprüft werden. Laborwerte sind nur sinnvoll, wenn sie eine konkrete Fragestellung beantworten; wahllose Selbsttests können zu Fehlinterpretationen führen. Produkt, Dosis, Dauer und Erfolgskontrolle sollten dokumentiert werden.
Welche Lebensmittelgruppen den Bedarf typischerweise decken und in welchen Lebenslagen besondere Aufmerksamkeit nötig ist, erklärt „Nährstoffversorgung: Wann ausgewogene Ernährung reicht“.
Lebensmittelquellen und Risikogruppen bündelt Calcium, Eisen, Jod, Protein und Vitamin B12: Versorgung im Blick.
Für Familien vertieft Nahrungsergänzungsmittel für Kinder: Wann sie sinnvoll sind die altersbezogenen Besonderheiten.
Die aktualisierten Referenzwerte erläutert der Beitrag Neue Empfehlungen für die Jodzufuhr: Bedarf bleibt gleich.
Aktualisiert am 15. August 2026
Quelle: Heike Kreutz, Bundeszentrum für Ernährung (BZfE) / food-monitor / KI
