US-Ernährungsempfehlungen 2025–2030: Was die DGE kritisiert

Veröffentlichung honorarfrei bei Link zu: food-monitor.de

Neue Leitlinien mit neuer Ernährungspyramide

Am 7. Januar 2026 veröffentlichten das U.S. Department of Health & Human Services und das U.S. Department of Agriculture die Dietary Guidelines for Americans 2025–2030. Die zehnte Ausgabe dient in den USA als Grundlage für Ernährungsprogramme, Gesundheitskommunikation und politische Entscheidungen.

Eine zentrale Botschaft lautet „eat real food“: Möglichst wenig verarbeitete, nährstoffreiche Lebensmittel sollen den Speiseplan prägen. Neu ist außerdem eine auf dem Kopf stehende Pyramide mit den Gruppen „Protein, Milchprodukte und gesunde Fette“, „Gemüse und Obst“ sowie „Vollkorngetreide“.

Was Deutschland und die USA ähnlich empfehlen

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) sieht mehrere Gemeinsamkeiten mit ihren Empfehlungen für Deutschland. Beide Ansätze betonen Gemüse und Obst, Vollkornprodukte sowie Wasser und andere ungesüßte Getränke. Zugesetzter Zucker und Alkohol sollen begrenzt werden.

Auch die Aufforderung, abwechslungsreich zu essen, ist grundsätzlich anschlussfähig. Allerdings macht eine ähnliche Einzelbotschaft noch keine in allen Punkten gleichwertige Empfehlung: Entscheidend sind die Mengen, die Gewichtung der Lebensmittelgruppen und die wissenschaftliche Herleitung.

Wissenschaftliche Vorarbeit und endgültige Leitlinie

Vor der Veröffentlichung hatte ein unabhängiger US-Beratungsausschuss einen umfangreichen wissenschaftlichen Bericht vorgelegt. Darin wurden unter anderem eine stärkere Gewichtung von Hülsenfrüchten sowie eine Begrenzung von rotem und verarbeitetem Fleisch empfohlen. Die endgültigen politischen Leitlinien setzen an sichtbaren Stellen andere Schwerpunkte. Das ist ein wichtiger Grund, wissenschaftliche Vorarbeit, politische Auswahl und grafische Darstellung getrennt zu bewerten.

DGE kritisiert fehlende Nachvollziehbarkeit

Die US-Leitlinien stützen sich zwar auf wissenschaftliche Vorarbeiten. Nach Einschätzung der DGE bleibt jedoch unklar, wie diese Evidenz in die endgültigen Empfehlungen übersetzt wurde. Auch die American Society for Nutrition bemängelte mangelnde Transparenz bei Methoden, Zielsetzungen und Zeitrahmen zusätzlicher wissenschaftlicher Prüfungen.

Die Darstellung der neuen Pyramide ist zudem nicht immer konsistent mit dem Begleittext. So werden täglich zwei bis vier Portionen Vollkorn empfohlen, obwohl Vollkorn in der Grafik nur ein kleines Segment einnimmt. Bei den Proteinquellen nennt der Text sowohl pflanzliche als auch tierische Alternativen; in der Abbildung dominiert jedoch Fleisch.

Deutlich mehr Protein als nach DGE-Referenzwert

Besonders auffällig ist die Empfehlung von 1,2 bis 1,6 Gramm Protein je Kilogramm Körpergewicht und Tag. Für gesunde Erwachsene unter 65 Jahren liegt der DGE-Referenzwert bei 0,8 Gramm je Kilogramm. Die DGE sieht in der bisher ausgewerteten Studienlage keinen belegten zusätzlichen Gesundheitsnutzen einer dauerhaft höheren Zufuhr für diese allgemeine Bevölkerungsgruppe.

Das bedeutet nicht, dass für jeden Menschen derselbe Wert gilt. Alter, Schwangerschaft, Stillzeit, Erkrankungen oder besondere sportliche Belastungen können die Einordnung verändern. Wer wegen einer Erkrankung eine spezielle Proteinzufuhr benötigt, sollte die Menge fachlich abstimmen.

Warum die US-Pyramide keine Empfehlung für Deutschland ersetzt

Nationale Ernährungsempfehlungen berücksichtigen Versorgungslage, Essgewohnheiten und gesundheitspolitische Ziele des jeweiligen Landes. Die deutschen Empfehlungen wurden 2024 überarbeitet und beziehen neben Nährstoffversorgung und Krankheitsprävention auch Umweltwirkungen ein. Bei den US-Leitlinien ist laut DGE nicht erkennbar, dass Nachhaltigkeit systematisch in die Ableitung eingeflossen ist.

Für Verbraucherinnen und Verbraucher in Deutschland bleiben daher die DGE-Empfehlungen die passendere Orientierung. Einen alltagstauglichen Zugang zu den aktuellen deutschen Botschaften bietet der Beitrag Neue BZfE-Ernährungspyramide: Das hat sich geändert.

Fazit

Weniger stark verarbeitete Lebensmittel, mehr Gemüse, Obst und Vollkorn sowie weniger zugesetzter Zucker sind sinnvolle Schnittmengen. Die prominente Rolle von Fleisch und Protein, Widersprüche zwischen Grafik und Text und der nicht vollständig nachvollziehbare Ableitungsprozess rechtfertigen jedoch eine kritische Einordnung. Eine ausländische Pyramide sollte deshalb nicht isoliert als allgemeingültiger Ernährungsplan verstanden werden.

Quellen: Dietary Guidelines for Americans 2025–2030; DGE; BZfE