Die 2026 veröffentlichte Konsultationsfassung der S3-Leitlinie bewertet Medikamente gegen Adipositas bei Kindern und Jugendlichen neu. Wichtig: Es handelt sich um eine vorgezogene Teilaktualisierung im Abstimmungsverfahren, nicht um eine pauschale Empfehlung für eine „Abnehmspritze“.
Seit der Leitlinienfassung von 2019 sind neue randomisierte Studien und Zulassungen für einzelne Wirkstoffe im Jugendalter hinzugekommen. Deshalb wurde das Kapitel zur zusätzlichen medikamentösen Therapie vorzeitig überarbeitet. Die vollständige Neufassung der Leitlinie ist nach Angaben der Fachgesellschaften für Januar 2027 vorgesehen.
Was die Konsultationsfassung empfiehlt
Bei Adipositas kann eine medikamentöse Behandlung ab dem jeweils zugelassenen Mindestalter als Ergänzung einer leitliniengerechten Lebensstiltherapie erwogen werden. Bei extremer Adipositas oberhalb der 99,5. Perzentile und anhaltender Gewichtszunahme erhält die Option ein stärkeres Gewicht und soll unter klaren Voraussetzungen in einem spezialisierten Zentrum geprüft werden.
Die Empfehlung bedeutet weder, dass jedes Kind mit Übergewicht behandelt werden sollte, noch dass Medikamente Ernährung, Bewegung, Verhaltenstherapie und psychosoziale Unterstützung ersetzen. Erforderlich sind eine gesicherte Diagnose, die Prüfung von Begleiterkrankungen, gemeinsame Therapieziele und eine altersgerechte Aufklärung von Kind und Sorgeberechtigten.
Nutzen und Grenzen
Studien zu GLP-1-Rezeptoragonisten zeigen im Mittel eine klinisch relevante Gewichtsabnahme und Verbesserungen einzelner kardiometabolischer Risikofaktoren. Die Wirkung fällt individuell unterschiedlich aus. Häufig sind Beschwerden des Magen-Darm-Trakts; außerdem müssen Gegenanzeigen, mögliche Wechselwirkungen und das Risiko einer erneuten Gewichtszunahme nach dem Absetzen berücksichtigt werden.
Für eine jahrelange Behandlung im Kindes- und Jugendalter sind die Daten begrenzter als bei Erwachsenen. Die Leitlinienfassung fordert deshalb eine strukturierte Kontrolle von Wachstum, Pubertätsentwicklung, Essverhalten und psychosozialen Auswirkungen. Bei einer Anwendung außerhalb der Zulassung ist ein besonders sorgfältiger dokumentierter Aufklärungs- und Entscheidungsprozess notwendig.
Was Familien daraus ableiten können
Welche Unterstützung bereits vor und in den ersten Lebensjahren ansetzt, erklärt Kindliche Adipositas vorbeugen: Was in den ersten 1.000 Tagen zählt.
Eine Arzneimitteltherapie gehört in kinder- und jugendmedizinische beziehungsweise spezialisierte adipositasmedizinische Betreuung. Die Kostenübernahme ist nicht automatisch gesichert und sollte vor Beginn mit der Krankenkasse geklärt werden. Für die allgemeine Einordnung verschiedener Behandlungsstufen siehe Adipositas: Medikamente oder Operation – was ist wann sinnvoll?.
Dokumentenstatus: Grundlage dieses Beitrags ist die im April 2026 veröffentlichte Version 5.0 als Konsultationsfassung. Empfehlungen können sich bis zur endgültigen Veröffentlichung noch ändern.
Offizielles Dokument: S3-Leitlinie, Version 5.0 (Konsultationsfassung).
Aktualisiert am 15. August 2026
Quelle: Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) / food-monitor / KI
