
Junge Brennnesselblätter lassen sich ähnlich wie Spinat verwenden. Handschuhe, sichere Bestimmung und gründliches Erhitzen machen die Verarbeitung unkompliziert.
Brennnesseln erkennen und ernten
Die Große Brennnessel (Urtica dioica) ist eine ausdauernde Pflanze und wächst häufig in dichten Beständen auf nährstoffreichen Böden. Die gegenständigen Blätter sind länglich bis herzförmig, grob gesägt und ebenso wie die Stängel mit Brennhaaren besetzt. Bei Berührung brechen deren Spitzen ab und geben reizende Stoffe in die Haut ab.
Feste Handschuhe schützen beim Pflücken. Besonders zart sind junge Triebspitzen und die oberen Blattpaare. Eine Bestimmungs-App allein genügt bei Wildpflanzen nicht; mehrere Merkmale müssen zusammenpassen.
So verschwinden die Brennhaare
Waschen, Blanchieren, Kochen oder kräftiges Zerkleinern zerstört die Wirkung der Brennhaare. Für Suppen und Gemüsegerichte werden die Blätter am einfachsten kurz blanchiert und anschließend wie Spinat weiterverarbeitet. Sie schmecken feinherb, leicht säuerlich und nussig.
Brennnesseln passen zu Kartoffeln, Eiern, Risotto, Pfannkuchen und herzhaften Aufstrichen. Für rohe Salate oder Smoothies ist besondere Vorsicht nötig: Das Bundesinstitut für Risikobewertung weist bei selbst gesammelten Wildkräutern auf Verwechslungs- und Hygienerisiken hin. Kleine Kinder, Schwangere, ältere und immungeschwächte Menschen sollten Wildkräuter nicht roh verzehren.
Sammelort, Hygiene und Nährstoffe
Nicht an stark befahrenen Straßen, Hundelaufwegen, gespritzten Flächen oder sichtbar verunreinigten Stellen sammeln. Weitere Hinweise bietet „Wildkräuter aus der Stadt“. Nur kleine Mengen ungeschützter Pflanzen für den Eigenbedarf entnehmen und örtliche Regeln sowie Eigentumsrechte beachten.
Brennnesselblätter enthalten unter anderem Vitamin C, Carotinoide, Mineralstoffe und Eiweiß. Die Gehalte schwanken jedoch je nach Standort, Alter und Verarbeitung; aus einzelnen Vergleichswerten wie „dreimal so viel Vitamin C wie Brokkoli“ lässt sich keine allgemeingültige Aussage ableiten. Zudem sind übliche Portionsgrößen deutlich kleiner als bei Gemüse.
Heilpflanzliche Verwendung richtig einordnen
Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) führt bestimmte Brennnesselblätter-Zubereitungen als traditionelle pflanzliche Arzneimittel, unter anderem zur unterstützenden Durchspülung der Harnwege bei leichten Beschwerden. „Traditionell“ bedeutet, dass die Anwendung auf langjährigem Gebrauch und nicht auf ausreichenden klinischen Wirksamkeitsnachweisen beruht.
Weitere Hintergründe zur damaligen Auszeichnung und zur vielseitigen Nutzung stehen im Beitrag Die Brennnessel ist Heilpflanze des Jahres 2022.
Brennnesseltee „entschlackt“ den Körper nicht und ersetzt weder bei Harnwegsinfektionen noch bei Gicht oder rheumatischen Beschwerden eine medizinische Behandlung. Der Beitrag „Kamillentee und Brennnesseltee: Wirkung einordnen“ erklärt diese Abgrenzung ausführlicher.
Redaktionell und fachlich aktualisiert: food-monitor, 11. August 2026
Quelle: Heike Kreutz, www.bzfe.de / food-monitor
Rezept: Kartoffel-Brennnessel-Suppe
Zutaten für 4 Portionen:
- 700 g mehligkochende Kartoffeln
- 100 g sicher bestimmte junge Brennnesselblätter
- 1 Zwiebel
- 1 EL Rapsöl
- 800 ml Gemüsebrühe
- 100 ml Sahne
- Salz, Pfeffer und Muskatnuss
Zubereitung:
- Kartoffeln und Zwiebel schälen und würfeln. Brennnesseln mit Handschuhen sorgfältig verlesen und unter fließendem Wasser gründlich waschen.
- Öl in einem Topf erhitzen und die Zwiebel glasig dünsten. Kartoffeln und Brühe zugeben und etwa 18 Minuten garen.
- Brennnesselblätter zugeben und mindestens fünf Minuten mitkochen. Sahne einrühren, die Suppe pürieren und nochmals vollständig erhitzen.
- Mit Salz, Pfeffer und Muskat abschmecken und sofort servieren.
Lebensmittelsicherheit: Nur zweifelsfrei bestimmte Brennnesseln von unbelasteten Standorten verwenden und vollständig erhitzen. Reste innerhalb von zwei Stunden abkühlen, kalt stellen und am nächsten Tag einmal gründlich durcherhitzen.
Allergene: Milch; je nach Gemüsebrühe Sellerie. Zutatenliste der Brühe prüfen.
