Die vielseitige Brennnessel ist Heilpflanze des Jahres 2022

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Große Brennnessel mit gezähnten Blättern
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Der Naturheilverein NHV Theophrastus wählte die Brennnessel zur Heilpflanze des Jahres 2022. Die Auszeichnung würdigt die traditionelle Nutzung, ist aber kein wissenschaftlicher Wirksamkeitsnachweis.

Im Vorjahr hatte der Verein den Meerrettich zur Heilpflanze des Jahres 2021 gewählt; auch dort ist die Auszeichnung von medizinischen Wirksamkeitsnachweisen zu unterscheiden.

Was die Auszeichnung bedeutet

Die Wahl zur „Heilpflanze des Jahres“ erfolgt durch einen privaten Naturheilverein. Sie ist weder eine behördliche Zulassung noch eine medizinische Leitlinienempfehlung. Aussagen zu einzelnen Beschwerden müssen deshalb getrennt nach Pflanzenteil, Zubereitung, Dosierung und wissenschaftlicher Datenlage betrachtet werden.

Die Große Brennnessel (Urtica dioica) wird traditionell als Lebensmittel, Faserpflanze und in pflanzlichen Arzneimitteln genutzt. Blätter, Kraut, Wurzel und Samen sind nicht austauschbar; sie enthalten unterschiedliche Stoffe und werden in Arzneimitteln für verschiedene Zwecke verarbeitet.

Was die EMA zu Brennnesselblättern sagt

Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) führt bestimmte Brennnesselblätter-Zubereitungen als traditionelle pflanzliche Arzneimittel zur unterstützenden Durchspülung der Harnwege bei leichten Beschwerden. Die zugrunde liegende Bewertung beruht auf langjähriger Anwendung und nicht auf ausreichenden klinischen Wirksamkeitsnachweisen.

Daraus folgt nicht, dass selbst gesammelter Brennnesseltee Harnwegsinfektionen, Gicht oder rheumatische Erkrankungen behandelt. Brennen beim Wasserlassen, Blut im Urin, Fieber, Flankenschmerz oder anhaltende Gelenkbeschwerden gehören medizinisch abgeklärt. Eine ausführlichere Abgrenzung bietet „Kamillentee und Brennnesseltee: Wirkung einordnen“.

Brennnessel als Lebensmittel

Junge Blätter und Triebspitzen schmecken feinherb und lassen sich für Suppen, Gemüse, Risotto oder Quiche verwenden. Waschen, Blanchieren, Kochen oder kräftiges Zerkleinern macht die Brennhaare unschädlich. Für rohe Anwendungen gelten besondere Hygieneanforderungen. Der Beitrag „Brennnessel in der Küche: Vitamin C aus der Natur“ erklärt Bestimmung, Sammeln und Zubereitung ausführlich.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung weist bei selbst gesammelten Wildkräutern auf Verwechslungen und mögliche Krankheitserreger hin. Kleine Kinder, Schwangere, ältere und immungeschwächte Menschen sollten Wildkräuter nicht roh verzehren.

Ökologisch wertvoll im Garten

Brennnesseln bieten verschiedenen Insekten Nahrung und Lebensraum. Die Raupen von Tagpfauenauge und Kleinem Fuchs nutzen sie als wichtige Futterpflanze; auch der Admiral legt dort Eier ab. Eine kleine, ungestörte Brennnesselecke kann deshalb die Artenvielfalt im Garten unterstützen.

Beim Anfassen schützen Handschuhe vor den Brennhaaren. Bei stärkerer Hautreaktion, Atemproblemen oder Kreislaufbeschwerden ist medizinische Hilfe erforderlich.

Redaktionell mit Unterstützung von KI aktualisiert: food-monitor, 6. September 2026

Quelle: Heike Kreutz, www.bzfe.de / food-monitor



Rezept: Brennnesselgemüse mit Kartoffeln

Zutaten für 4 Portionen:

  • 800 g festkochende Kartoffeln
  • 200 g sicher bestimmte junge Brennnesselblätter
  • 1 Zwiebel
  • 1 Knoblauchzehe
  • 2 EL Rapsöl
  • 100 ml Wasser
  • Salz, Pfeffer und Muskatnuss

Zubereitung:

  1. Kartoffeln waschen und vollständig gar kochen.
  2. Brennnesseln mit Handschuhen sorgfältig verlesen, unter fließendem Trinkwasser gründlich waschen und zwei Minuten in kochendem Wasser blanchieren. Abgießen und grob schneiden.
  3. Zwiebel und Knoblauch schälen und fein würfeln. Öl in einer Pfanne erhitzen und beides glasig dünsten.
  4. Brennnessel und Wasser zugeben, abdecken und mindestens fünf Minuten garen. Mit Salz, Pfeffer und Muskat abschmecken und zu den Kartoffeln servieren.

Lebensmittelsicherheit: Nur zweifelsfrei bestimmte Brennnesseln von unbelasteten Standorten verwenden und vollständig erhitzen. Reste innerhalb von zwei Stunden abkühlen, kalt stellen und am nächsten Tag einmal gründlich durcherhitzen.

Allergene: Bei Verwendung der genannten reinen Zutaten enthält das Rezept keines der 14 kennzeichnungspflichtigen Hauptallergene.