Kinder wissen: Schulmahlzeiten sind mehr als ein Teller Essen.
Ein neuer Bericht der internationalen Kinderhilfsorganisation World Vision beleuchtet die Realität von Schulmahlzeiten aus der Sicht derjenigen, die sie am besten kennen: der Kinder selbst. Die von Kindern und Jugendlichen aus städtischen Gebieten Brasiliens bis hin zu ländlichen Regionen Simbabwes durchgeführte Untersuchung macht deutlich: Für Kinder aus vielen Regionen der Welt sind Schulmahlzeiten der Unterschied zwischen Lernen und Schulabbruch, zwischen Würde und Ausgrenzung, zwischen Hunger und Hoffnung. Dennoch müssen Millionen von Kindern weiterhin darauf verzichten.
World Vision veröffentlicht die Erkenntnisse der Studie zum Auftakt der heute beginnenden Weltkonferenz für Schulmahlzeiten, die von Brasilien in Zusammenarbeit mit der School Meals Coalition ausgerichtet wird. „Dieser Gipfel sollte als ein entscheidender Moment genutzt werden, um zu erreichen, dass jedes Kind in jedem Klassenzimmer jeden Tag Zugang zu einer nahrhaften Mahlzeit hat“, sagt Mary Njeri, Direktorin für Schulspeisungsprogramme bei World Vision.
Mehr als 1.200 an der Studie beteiligte Schüler und Schülerinnen aus 13 Ländern haben recherchiert und mit eigenen Worten beschrieben, wie verfügbar und gerecht verteilt Schulmahlzeiten sind, was sie für sie bedeuten und wo sie Verbesserungsbedarf sehen. Klar und deutlich geht aus der Untersuchung hervor, dass
- die große Mehrheit der Kinder eine gesicherte Mahlzeit in der Schule sehr zu schätzen weiß und diese vermisst, wo sie nicht vorhanden ist,
- soziale Benachteiligungen reduziert und Familien entlastet werden
- abwechslungsreiches Essen mit regionalen Zutaten bevorzugt wird,
- die meisten Kinder selten zu Schulmahlzeiten befragt werden und eigene Ideen zur Verbesserung aktiv einbringen wollen.
Ein Fazit der jungen Forscher aus Guatemala veranschaulicht dies gut:
„Schulmahlzeiten spielen eine große Rolle in unserem Leben – sie beeinflussen unser Wohlbefinden, unser Lernverhalten und unsere Entwicklung. Wir wünschen uns Essen, das uns Energie gibt, unsere Gesundheit fördert und uns hilft, uns im Unterricht zu konzentrieren. Es sollte frisch, lecker und respektvoll serviert sein.“
In allen Kontexten gaben zwischen 70 % und 95 % der Kinder an, dass die Mahlzeiten ihnen helfen, sich besser zu konzentrieren. In Kambodscha und Peru verbesserten sichere, nahrhafte Schulmahlzeiten die Konzentration im Unterricht, senkten die Lebensmittelkosten der Haushalte und sorgten dafür, dass mehr Kinder die Schule besuchten. In Malawi steigerte angereicherter Porridge die regelmäßige Teilnahme von Kindern an Vorschulerziehung und reduzierte Konflikte zwischen Kindern mit und ohne mitgebrachten Snack. In Simbabwe beschrieben Kinder die verheerenden Auswirkungen einer unregelmäßigen oder unzureichenden Verpflegung: Hunger, Müdigkeit und Ausgrenzung vom Lernen. Und die Vorteile einer Schulverpflegung reichen weit über den Erfolg des Unterrichts hinaus: In Indonesien und der Dominikanischen Republik verbanden Kinder Schulessen zum Beispiel mit weniger Stress in der Familie und einem stärkeren Gefühl, in der Schule gut versorgt zu sein. Für Karla, eine 13-Jährige aus der Dominikanischen Republik, ist dies nicht nur ein Kinderrecht, sondern auch eine Anerkennung ihrer täglichen Realität. Sie sagt ganz einfach: „Schulmahlzeiten garantieren mindestens eine Mahlzeit pro Tag. Sie helfen Familien wie meiner.“
„Schulmahlzeiten sind weit mehr als nur ein Teller Essen, sie sind eine erwiesen wirkungsvolle, bewährte Investition in das menschliche Potenzial, die Volkswirtschaften und die soziale Gerechtigkeit. Hier geht es nicht nur um Ernährung, sondern um Würde, Fairness und Bildung. Und die besten Ratgeber, wie man das richtig macht, sind die Kinder selbst“, erklärt Lisa O’Shea, World Vision-Expertin für von Kindern geleitete politische Initiativen.
Budget-Kürzungen gefährden Fortschritte
Trotz dieser Erkenntnisse verlieren viele Programme aktuell durch Budgetkürzungen für Entwicklungszusammenarbeit ihre finanzielle Unterstützung. „Der Rückgang des internationalen Engagements gefährdet die bisher erreichten Fortschritte im Kampf gegen Hunger und trifft vor allem Kinder, die besonders stark mit Unsicherheiten konfrontiert sind“, befürchtet Mary Njeri, die selbst im ländlichen Kenia ohne Schulmahlzeiten aufwuchs und 17 Jahre lang in der Katastrophenhilfe tätig war. „Als jemand, der dieses Problem selbst erlebt hat und täglich an dessen Lösung arbeitet, ist meine Bitte an die Staats- und Regierungschefs einfach: Bauen Sie auf den bisherigen Fortschritten auf, indem Sie Brasilien einen klaren, zeitgebundenen Fahrplan für universelle, nachhaltige und kindgerechte Schulmahlzeiten vorlegen und sich verpflichten, diese Pläne in greifbare Ergebnisse für jedes Kind umzusetzen.“
Hintergrundinformationen
World Vision hat sich mit der Kampagne „ES REICHT“ das Ziel gesetzt, Hunger und Mangelernährung bei Kindern dauerhaft zu beenden. Schulmahlzeiten werden sowohl im Rahmen von Entwicklungsprojekten mit Kinderpatenschaften als auch in humanitären Hilfsprojekten unterstützt. In 40 Ländern beteiligt sich die Organisation auch an Anstrengungen zur Umsetzung nationaler Schulernährungsprogramme. Die unterstützten Recherchen von Kindern und Jugendlichen sind Bestandteil dieser Anstrengungen, bei denen sowohl mit Schulgemeinschaften und Kommunen als auch mit Regierungen und anderen zivilgesellschaftlichen Organisationen zusammengearbeitet wird. Spenden an World Vision ermöglichen unter anderem die Einrichtung von Schul- und Küchengärten, den Zugang von Schülerinnen und Schülern zu sauberem Wasser, Ernährungsbildung und begleitende Gesundheitsmaßnahmen, die Mangelernährung vorbeugen.
Hinweise an Redaktionen:
- Interviews mit Expertinnen und Experten (auch vor Ort bei der Weltkonferenz) oder mit jugendlichen Beteiligten an der Studie vermittelt die Pressestelle von World Vision Deutschland.
- Den Bericht „School Meals in our Words: Choosing our Future“ sowie weiteres Material mit Kinder-Stimmen zu Schulmahlzeiten: Our Meals, Our Voice | ENOUGH | World Vision International.
- Foto-und Videomaterial zum Thema kann mit Quellenangabe „World Vision“ für redaktionelle Zwecke in diesem Kontext kostenfrei verwendet und auch an Dritte weitergegeben werden:
https://storyhub.wvi.org/Share/uimqwulh343dyw20w7ok41y84y33nke2 - Bearbeitetes Video zu der Kinderstudie:
World Vision/School Meals Coalition: Bis 2030 soll es täglich für jedes Kind ein Schulessen geben! - NGO-Statement zur Weltkonferenz: Joint civil society statement ahead of the 2nd Global Summit of the School Meals Coalition | ENOUGH | World Vision International
- Online Spenden für Schulmahlzeiten: Das Gute Geschenk: Schulspeisung
