Gerste (Hordeum vulgare) gehört zu den ältesten vom Menschen domestizierten Getreidearten. Heute wird sie vor allem als Futtergetreide und zur Malzherstellung genutzt, doch auch Graupen, Grütze, Flocken und Mehl bringen Gerste auf den Speiseplan.

Archäologische Funde belegen Gerstenanbau im Vorderen Orient bereits vor rund 10.000 Jahren. Das robuste Getreide war lange ein wichtiges Nahrungsmittel und Viehfutter. In Deutschland wird der größte Teil der Ernte weiterhin verfüttert; ein weiterer bedeutender Verwendungszweck ist die Herstellung von Braumalz.
Sommergerste und Wintergerste
Sommergerste wird im Frühjahr ausgesät und im selben Jahr geerntet. Wintergerste kommt im Herbst in den Boden, überwintert und reift im folgenden Sommer. Sie liefert meist höhere Erträge und wird häufig als Futtergerste genutzt. Für Braumalz ist traditionell zweizeilige Sommergerste wichtig, weil geeignete Sorten und Partien eine gleichmäßige Keimung sowie passende Protein- und Stärkegehalte bieten. Auch Winterbraugerste wird inzwischen vermälzt. Entscheidend ist daher nicht allein der Aussaattermin, sondern die Brauqualität der jeweiligen Sorte und Erntepartie.
Graupen, Grütze und Malzkaffee
Graupen sind geschälte und polierte Gerstenkörner. Beim Schleifen werden auch Teile der Randschichten entfernt; Perlgraupen sind besonders stark abgerundet. Gerstengrütze besteht dagegen aus grob zerkleinerten Körnern. Beide eignen sich für Suppen, Eintöpfe, Aufläufe und breiartige Gerichte.
Für Malzkaffee wird Gerste zunächst vermälzt: Die Körner werden eingeweicht, kontrolliert zum Keimen gebracht und anschließend getrocknet. Beim Keimen entstehen und wirken Enzyme, die einen Teil der Stärke in kleinere Zuckerbausteine zerlegen. Erst das Rösten erzeugt durch verschiedene Bräunungsreaktionen die dunkle Farbe und die typischen röstigen, kaffeeähnlichen Aromen. Malzkaffee ist koffeinfrei, sofern ihm keine koffeinhaltigen Zutaten zugesetzt werden.
Kann man mit Gerste Brot backen?
Gerste enthält Gluten und ist für Menschen mit Zöliakie nicht geeignet. Ihre Proteine bilden jedoch kein elastisches Klebergerüst wie backstarker Weizen. Ein lockeres, freigeschobenes Brot allein aus Gerstenmehl ist deshalb ohne besondere Rezeptur und zusätzliche Strukturgeber schwierig. Für Fladen, kompakte Brote oder Mischteige lässt sich Gerstenmehl dagegen gut einsetzen.
Die aktuellen Leitsätze für Brot und Kleingebäck zählen Gerste zum „sonstigen Getreide“. Wird ein Brot nach Gerste benannt, müssen mindestens 20 Prozent des Getreideanteils aus Gerste stammen. Eine pauschale backtechnische Obergrenze von 30 Prozent geben die Leitsätze nicht vor; die sinnvoll einsetzbare Menge hängt von Rezept, Verarbeitung und gewünschter Krumenstruktur ab. Wie anders sich ein klassisches Brotgetreide verhält, zeigt der Beitrag über Roggen und Sauerteig.
Beta-Glucan: Die Menge ist entscheidend
Gerste enthält lösliche Ballaststoffe, darunter Beta-Glucane. Nach der EU-Verordnung zu zugelassenen gesundheitsbezogenen Angaben tragen Beta-Glucane aus Gerste oder Hafer zur Aufrechterhaltung eines normalen Cholesterinspiegels im Blut bei. Der günstige Effekt wird mit einer täglichen Aufnahme von 3 Gramm Beta-Glucan erreicht. Eine Portion Gerste liefert diese Menge nicht automatisch; der tatsächliche Gehalt hängt von Sorte, Produkt, Portion und Verarbeitung ab.
Gerste liefert außerdem Stärke, Eiweiß, Vitamine und Mineralstoffe. Bei Graupen gehen durch das Schälen und Polieren jedoch Teile der Randschichten verloren. Vollkorngerste enthält deshalb mehr Ballaststoffe und Mikronährstoffe als stark geschliffene Perlgraupen.
Gersterbrot enthält keine Gerste
Gersterbrot ist trotz seines Namens gewöhnlich kein Gerstenbrot. Die Bezeichnung leitet sich von „gerstern“ oder „gersteln“ ab: Teiglinge werden vor dem Backen kurz abgeflämmt. So entstehen die charakteristischen dunklen Sprenkel und kräftige Röstaromen.
Redaktionell mit Unterstützung von KI aktualisiert: food-monitor, 6. September 2026
Quelle: Rüdiger Lobitz, Bundeszentrum für Ernährung (BZfE) / food-monitor
Rezept: Apfel-Graupen-Auflauf mit Zimt

Zutaten für 4 Portionen
- 200 g Perlgraupen
- 700 ml Milch
- 1 Prise Salz
- 2 säuerliche Äpfel
- 1 EL Zitronensaft
- 3 Eier
- 60 g Zucker
- 1 Päckchen Vanillezucker
- 1 TL Zimt
- 30 g Mandelblättchen
- 10 g Butter für die Form
Zubereitung
- Die Graupen in einem Sieb gründlich abspülen. Milch mit Salz aufkochen, Graupen einrühren und bei kleiner Hitze 30 bis 35 Minuten garen. Regelmäßig umrühren, damit nichts ansetzt. Anschließend etwa 10 Minuten abkühlen lassen.
- Den Backofen auf 180 °C Ober-/Unterhitze vorheizen. Eine flache Auflaufform mit Butter einfetten.
- Äpfel waschen, vierteln, entkernen und in dünne Spalten schneiden. Mit Zitronensaft mischen.
- Eier, Zucker, Vanillezucker und Zimt verquirlen. Die nur noch warme, nicht mehr heiße Graupenmasse unterrühren.
- Die Hälfte der Graupen in die Form geben, die Hälfte der Apfelspalten darauf verteilen und mit der übrigen Graupenmasse bedecken. Restliche Äpfel darauflegen und mit Mandelblättchen bestreuen.
- Den Auflauf auf der mittleren Schiene 35 bis 40 Minuten backen, bis die Oberfläche goldbraun und die Eiermasse auch in der Mitte vollständig gestockt ist. Vor dem Servieren 10 Minuten ruhen lassen.
Serviervorschlag: Lauwarm als süße Hauptmahlzeit oder Dessert servieren.
Allergen- und Sicherheitshinweis: Gerste enthält Gluten. Das Rezept enthält außerdem Milch, Ei und Mandeln. Den Auflauf vollständig durchgaren. Reste rasch abkühlen, abgedeckt im Kühlschrank aufbewahren und vor dem Verzehr gründlich erhitzen.
Rezept: food-monitor / KI
