Neue DGE-Position zu veganer Ernährung: umweltfreundlich und gesundheitsfördernd

Ernährungsorganisation ProVeg spricht von einer lösungsorientierten Zeitenwende.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) hat heute ihre offizielle Position zu veganer Ernährung revidiert und erklärt: Eine vegane Ernährung ist äußerst umweltfreundlich und kann gesundheitsfördernd sein. ProVeg-Ernährungsexpertin Anna-Lena Klapp lobt die größere Ausgewogenheit der neuen Position und bezeichnet sie als lösungsorientierte Zeitenwende.

Die DGE berücksichtigt in ihrer neuen Position zu veganer Ernährung neben Gesundheit erstmals auch Umwelt, Tierwohl und Soziales als Ziele einer nachhaltigeren Ernährung. Das hat entscheidende Konsequenzen: Die Fachorganisation für Ernährung, deren Empfehlungen die Gemeinschaftsverpflegung und die Ernährungsberatung in Deutschland in großen Teilen prägen, ist von ihrer ablehnenden Haltung abgerückt.„Wir erleben hier eine Zeitenwende in der Ernährungspolitik“, urteilt Klapp. „Zusammen mit den kürzlich aktualisierten DGE-Richtlinien stellt die neue Position klar: Das gesamte Spektrum pflanzenbasierter Ernährungsstile, von flexitarisch bis vegan, trägt zur Lösung unserer ernährungsbedingten Probleme bei.“

Vegane Ernährung schützt die Umwelt

Fleisch und Milch zählen zu den Nahrungsmitteln, die das Klima am stärksten belasten: Allein in Deutschland ist die tierische Landwirtschaft für rund 70 Prozent der landwirtschaftlichen Treibhausgas-Emissionen verantwortlich.1 Das ist ernährungspolitisch höchst relevant – befindet erstmals auch die DGE: Sie nennt eine vegane Ernährung eine empfehlenswerte Maßnahme, um die Umweltbelastungen unseres Ernährungssystems zu reduzieren. „Berechnungen zufolge kann eine vegane Ernährung im Vergleich zur Mischkost die ernährungsbedingten Emissionen mehr als halbieren“, erläutert Klapp.

Vegane Ernährung fördert die Gesundheit

Zahlreiche Studien haben das präventive Potenzial einer veganen Ernährung für gesunde Erwachsene eindrücklich belegt. Immer mehr Ernährungsfachgesellschaften auf der ganzen Welt stufen sie deshalb als gesunde Ernährung ein, die das Risiko vieler Zivilisationskrankheiten senken kann.2 3 4 „Eine vegane Ernährung kann unter anderem den weit verbreiteten Herz-Kreislauf-Erkrankungen und der ‚Volkskrankheit‘ Fettleibigkeit vorbeugen“, erläutert Klapp. Dem stimmt auch die DGE in ihrem neuen Positionspapier zu. Die Einschätzung gelte für gesunde Erwachsene, die Vitamin B12 zuführen, auf eine ausreichende Jodzufuhr achten und sich ausgewogen ernähren.

Mit Blick auf Kinder, Schwangere, Stillende und Senioren zeigt sich die DGE zurückhaltender und verweist auf eine begrenzte Studienlage. Sie könne „weder eine eindeutige Empfehlung für noch gegen eine vegane Ernährung aussprechen“. Obwohl in den letzten Jahren zahlreiche Studien zu veganer Ernährung veröffentlicht wurden, vermisst auch ProVeg fundierte Untersuchungen zu diesen Bevölkerungsgruppen ebenso wie zu Sportlern. „Es braucht außerdem kompetente Beratungsangebote für die zuständigen Multiplikatoren“, merkt Klapp an.

Gesunde Ernährung ist generell teuer – und verlangt politisches Eingreifen

Die DGE hebt zudem ausdrücklich hervor, nicht eine vegane Ernährung sei teuer. Vielmehr stelle gesunde Ernährung generell Haushalte mit niedrigem Einkommen vor Herausforderungen. Das müsse sich ändern und bedürfe politischer Maßnahmen wie einer gezielten Anpassung der Mehrwertsteuer. Das fordert auch ProVeg. Denn: „Beim Thema gesunde, nachhaltige Ernährung sind sich nationale und internationale Fachleute einig: Pflanzliche Nahrungsmittel sollten bevorzugt werden“, erläutert Klapp.

Vegane Gerichte gehören zu einer gesunden und nachhaltigen Verpflegung

Gerade in der Gemeinschaftsverpflegung spielen die Positionen der DGE eine entscheidende Rolle und finden offene Ohren. Sie beeinflussen unter anderem die Menüplanung in Betriebskantinen und an Universitäten und Schulen. ProVeg Food Services führt seit vielen Jahren gezielt Schulungen mit Küchenteams durch, in denen die Organisation das Potenzial veganer Mahlzeiten für die Emissionsreduktion und die gesundheitliche Prävention neben Techniken und Rezepten vermittelt. „Ich bin begeistert, dass nun auch die DGE deutlich macht: Wer sich häufiger für ein pflanzliches Gericht entscheidet, tut sich und der Umwelt viel Gutes“, erklärt Katleen Haefele, Director of Corporate & Institutional Engagement bei ProVeg. „Die Gemeinschaftsverpflegung sollte gut geplante pflanzliche Speisen fest in ihrem Angebot verankern.“

Übergreifend befindet ProVeg-Ernährungsexpertin Anna-Lena Klapp: „Die überarbeitete Position der DGE zeichnet sich durch eine deutlich größere Ausgewogenheit aus und hebt die Vorteile einer veganen Ernährung klar hervor – das ist lösungsorientiert.”

Quellen

1 Umweltbundesamt (2024): Beitrag der Landwirtschaft zu den Treibhausgas-Emissionen, veröffentlicht am 06.05.2024. Online unter: https://www.umweltbundesamt.de/daten/land-forstwirtschaft/beitrag-der-landwirtschaft-zu-den-treibhausgas

2 Academy of Nutrition and Dietetics (2016): Position of the Academy of Nutrition and Dietetics: Vegetarian Diets, in: J Acad Nutr Diet 116, S. 1970–1980.

3 British Dietetic Association (2017): British Dietetic Association confirms well-planned vegan diets can support healthy living in people of all ages. Online unter: https://www.bda.uk.com/resource/british-dietetic-association-confirms-well-planned-vegan-diets-can-support-healthy-living-in-people-of-all-ages.html

4 Agnoli, C. et al. (2017): Position paper on vegetarian diets from the working group of the Italian Society of Human Nutrition, in: Nutrition, metabolism, and cardiovascular diseases (NMCD) 27(12), S. 1037–1052. Online unter: https://doi.org/10.1016/j.numecd.2017.10.020

Quelle: ProVeg