Ein aktueller UN-Bericht warnt eindringlich vor globalem Wassermangel: In vielen Regionen wird Wasser, etwa für die Landwirtschaft, schneller genutzt, als es sich erneuert, Grundwasserleiter, Feuchtgebiete und Seen schrumpfen.
„Die Warnung der Vereinten Nationen muss auch hierzulande als Weckruf verstanden werden: Wasser ist keine unbegrenzte Ressource, sondern Grundlage für Natur, Gesellschaft und Wirtschaft“, sagt Max Meister, NABU-Referent für Regenerative Landwirtschaft. „Auch in Deutschland fließt Regenwasser zu schnell ab, Böden und Auen speichern es nicht mehr genug wie entnommen wird. Nach Jahrzehnten, in denen Wasser als selbstverständlich galt, gerät unser Wasserhaushalt aus dem Gleichgewicht.“ Dies verschärfe Dürren, Starkregenereignisse und den Verlust biologischer Vielfalt.
Der NABU fordert die Bundesregierung daher auf, 2026 eine integrierte Wasserpolitik umzusetzen, die Wassermanagement, Land- und Forstwirtschaft und Landschaftsplanung zusammendenkt. Ein verbindliches Wassermanagementgesetz müsse naturbasierte Lösungen wie regenerative Landwirtschaft, Humusaufbau und klimaresiliente Wälder fördern. „Wir brauchen klare Anreize für die Land und Forstwirtschaft, damit Wasser dort bleibt, wo es gebraucht wird, nämlich in Böden, Wäldern und Feuchtgebieten“, betont Meister.
Koordinierte, finanzielle Anreize in der Agrarförderung sollen zudem wassersparende Verfahren und landschaftliche Strukturen flächendeckend unterstützen. Dringend erforderlich sei außerdem der Schutz, die Renaturierung und Wiedervernässung von Auen, Feuchtgebieten und Mooren, die als natürliche Wasserspeicher fungieren und Lebensraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten bieten.
„Wenn wir nicht handeln, riskieren wir nachhaltige ökologische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Schäden“, warnt Meister. „Wasserknappheit ist kein fernes Problem. Sie betrifft die Landwirtschaft in Deutschland, unsere Städte und unsere Ökosysteme schon heute.“ Ohne konsequente Gegenmaßnahmen könnten laut einer neuen Studie von NABU und BCG die Kosten durch Wasserknappheit, Ernteausfälle, Waldschäden und Infrastrukturrisiken bis zur Mitte des Jahrhunderts auf 20 bis 25 Milliarden Euro pro Jahr steigen, mit einem kumulierten Schaden von bis zu 625 Milliarden Euro bis 2050. Frühzeitige Investitionen in natürliche Wasserspeicher seien deshalb ökologisch wie ökonomisch sinnvoll. Die Kombination naturbasierter Lösungen aus regenerativer Landwirtschaft, naturnaher Wälder und steuerbarer Drainage können zusätzlich 7 – 7,7 Mrd. Kubikmeter Wasser speichern und so die Wasserbilanz Deutschlands stabilisieren.
Jeder Tropfen zählt: Wege zur Wassersicherheit: Gemeinsame Studie von NABU und BCG
