„Öffentlicher Gesundheitsdienst und Forschung“ ist das Leitthema der Januar-Ausgabe des Bundesgesundheitsblatts, außerdem im Blatt ein Beitrag mit RKI-Beteiligung zur Wahrnehmung der KRINKO-Empfehlungen im Öffentlichen Gesundheitsdienst.
Das Leitthema umfasst insgesamt neun Beiträge, darunter eine Auswertung der Publikation des ÖGD in begutachteten Fachzeitschriften, ein Mapping der Kooperationen zwischen Wissenschaft und Praxis im ÖGD, Erfahrungen aus dem Trainee-Rotationsprogramm Evidenz-ÖGD für Gesundheitsämter und Hochschulen, eine Erhebung über Genesungsbegleitung in akuten, aufsuchenden, psychiatrischen Kriseneinsätzen und eine bundesweite Datenerhebung zur Regelbegehung von Krankenhäusern durch den ÖGD. Ein Beitrag aus dem RKI untersucht COVID-19-Ausbrüche in prekären Wohn- und Arbeitssettings und gibt Empfehlungen für den ÖGD.
Im Editorial ordnen Joseph Kuhn von der Pettenkofer School of Public Health und Laura Arnold vom Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit das Thema auch im historischen Kontext ein: „Namen wie Max von Pettenkofer oder Robert Koch stehen bis heute für den Erkenntnisgewinn der Öffentlichen Gesundheit“, heißt es zu Beginn des Editorials. Ihr Fazit im Hinblick auf das Erreichte: „Was die Integration wissenschaftlicher Befunde in die Alltagsarbeit des ÖGD angeht, ist in vielen Bereichen ein gutes Niveau erreicht. Bei der Verbreiterung der wissenschaftlichen Basis im Hinblick auf mehr Interdisziplinarität ist der ÖGD auf einem guten Weg. Auch in der Gemeinschaft der wissenschaftlichen Fachgesellschaften ist er inzwischen vertreten, ein wichtiger Schritt etwa mit Blick auf die geplante Entwicklung von Leitlinien für den ÖGD sowie die Mitarbeit an Leitlinien der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF). Luft nach oben gibt es noch in den eigentlichen wissenschaftlichen Arbeitsformen, der Forschung und dem wissenschaftlichen Publizieren.“
Die rund 380 Gesundheitsämter in Deutschland sind eine zentrale Säule für den Schutz der Gesundheit der Bevölkerung. Das breite Aufgabenspektrum, darunter die Untersuchung von Ausbruchsgeschehen, die infektionshygienische Überwachung von Kliniken oder medizinische Begutachtungen in der Sozialpsychiatrie, erfordert tiefgreifende medizinische Fachexpertise und wissenschaftliche Grundlagen.
Im Jahr 2018 beschloss die Gesundheitsministerkonferenz ein „Leitbild für einen modernen Öffentlichen Gesundheitsdienst (ÖGD)„, das die Bedeutung einer stärkeren Zusammenarbeit des ÖGD mit Wissenschaft und Forschung hervorhebt und wissenschaftliches Arbeiten als wesentliche Grundlage des ÖGD festlegt. Auch der „Beirat Pakt ÖGD“ empfiehlt in seinem dritten Bericht zum Thema „Wissenschaft und Forschung im und für einen zukunftsfähigen ÖGD“ von Februar 2023, „ein wissenschaftliches System im und um den ÖGD zu etablieren, das handlungsrelevant ausgerichtet, in seinen Prozessen qualitativ hochwertig und effizient und dabei in Strukturen und Prozessen nachhaltig aufgestellt ist – analog zur Forschungs- und Lehrstruktur im medizinischen Versorgungssystem“.
