Unsinn muss nur oft genug wiederholt werden, um zu einer vermeintlich wahren Erkenntnis zu werden. NGOs plädieren traditionell für eine Zuckersteuer.
Als Minister für Ernährung hat Cem Özdemir immer wieder mit diesem Gedanken gespielt, aber es damit nicht einmal bis ins Kabinett gebracht. Eine Zuckersteuer, so die schlichte Vorstellung, soll durch Reduzierung des Zuckergehalts in den Produkten schlank machen. Die Engländer haben ihre Hersteller in der Lebensmittelwirtschaft damit drangsaliert. Zudem haben sie mit der Androhung von Werbeverboten die Unternehmen in ihren Freiheiten limitiert.
Die ideologische Milchmädchenrechnung geht allerdings nicht auf. Für fiskalisch verteuerte Produkte gibt es preiswertere Alternativen und Werbung macht nicht dick, weil es nicht um die Initiierung von Hungerfühl, sondern um Markenpositionierung geht. Die Ursachen für unliebsame Pfunde sind nicht Preis und Medienkonsum, sondern der Lebensstil. Aktuelle Studien in Deutschland zeigen, dass die im Sitzen verbrachte Zeit kontinuierlich steigt. Jeder Deutsche sitzt täglich rund 9,2 Stunden. Jüngere Menschen im Alter von 18 bis 19 Jahren bringen es sogar auf über zehn Stunden Sitzen pro Tag. Was diese Ruhestellung mit körperlicher Vitalität und Kalorienverbrauch macht, muss nicht detailliert erläutert werden.
Die Politik in England agiert wider besseres Wissen. Die Epidemiologen an der Cambridge University als auch das dortige Institut für Behavioural Economics and Policy haben in ihren Studien dokumentiert, dass dieser Weg der politischen Einflussnahme auf das Ernährungsverhalten der Menschen keinen Effekt auf der Waage zeigt. Wissenschaftlich basierte Fakten werden ausgeblendet und mit paternalistischen Maßnahmen zumindest ideologische Stärke und politischer Wille demonstriert. Die NGOs applaudieren und die Verbraucher essen und trinken, was ihnen schmeckt.
Auch in der deutschen Politik ist die Lernfähigkeit nur partiell ausgeprägt. Während im für Ernährung zuständigen Bundesministerium nach der Phase Grüner Volkserziehung inzwischen wieder Vernunft und Augenmaß agieren, geht die CDU Schleswig-Holstein einen anderen Weg und bedient sich an der ideologischen Resterampe. Mit der Rendsburger-Erklärung wurde die Forderung nach der Einführung einer Zuckersteuer auf gesüßte Getränke beschlossen. In der Erklärung wird darüber hinaus sogar die angebliche Sinnhaftigkeit einer allgemeinen Zuckersteuer unterstrichen. Was gut schmeckt kommt auf den fiskalischen Prüfstand. Von Marmelade bis Schokolade lassen sich Einnahmen mit der Begründung einer nationalen Schlankheitskur generieren. Steuern steuern jedoch nicht Präferenzen und Einkaufsverhalten. Im Bundesland zwischen den Meeren haben ideologische Hirnwäsche und Indoktrination der NGOs während der letzten Jahre ihre Spuren hinterlassen. Obwohl Studien klar belegen, dass Strafsteuern keine Veränderung der Ernährung initiieren und erst recht nicht das Gewicht bei Kindern und Jugendlichen reduzieren, sind Politiker im Norden noch nicht in der Realität angekommen.
Im Rahmen ihrer Klausurtagung in Rendsburg hat die CDU in Schleswig-Holstein die Erklärung zur Kinder-, Jugend- und Familienpolitik beschlossen. Das Programm „Miteinander. Füreinander. Generationsübergreifend zusammenhalten.“ wurde mit großer Mehrheit verabschiedet. Diesen Glauben an eine maßregelnde Politik hat Özdemir in seiner Ampel-Koalition immer vermisst.
Es ist ein Glaubensbekennts frei von Fakten und gespickt mit Vermutungen. Die CDU-Experten formulieren, „ein Weg zur Reduktion von Adipositas (könnte) auch die Einführung einer Zuckersteuer sein, für die wir uns einsetzen.“ Beweise für den frommen Wunsch gibt es nicht. Im Gegenteil. Und weil die Strategen schon einmal bei der Regulierung sind, geht es weiter. „Energydrinks erfreuen sich weltweit wachsender Beliebtheit – sowohl in Deutschland als auch international. Gerade junge Heranwachsende sind eine Zielgruppe, um die Leistungsfähigkeit zu steigern und Müdigkeit zu bekämpfen. Die Auswirkungen auf das Herz-Kreislauf und Nervensystem sind deutlich. Gerade für einen heranwachsenden Körper kann ein übermäßiger Konsum schädlich sein. Vor diesem Hintergrund wollen wir die Altersgrenze für den Konsum anheben“. Der Verkauf von Energy-Drinks soll deshalb erst ab 16 Jahren erlaubt sein. Kein Problem. In dem Bundesland zählt heißer Rum mit Wasser und Zucker zu den traditionellen Energydrinks.
