Meinungsführerschaft und Risikowahrnehmung im gesundheitlichen Verbraucherschutz

Bundesinstitut für Risikobewertung: Abschlussbericht

Für eine effektive Risikokommunikation im Bereich der Lebensmittelsicherheit ist es wichtig zu wissen, über welche Risiken sich Menschen Gedanken machen und wie sie damit umgehen. Eine Zielgruppe, die dabei von besonderem Interesse ist, besteht aus den sogenannten Meinungsführerinnen und Meinungsführern. Sie genießen das Vertrauen ihrer Freund/innen und Bekannten und können andere über potenzielle Risiken informieren. Mithilfe einer repräsentativen telefonischen Bevölkerungsbefragung von n = 1.001 Personen ab 14 Jahren in Deutschland wurde untersucht, wie Meinungsführerschaft mit der Risikowahrnehmung zu einzelnen Lebensmittelrisiken zusammenhängt.

Die Ergebnisse zeigen, dass viele Personen ihren Freund/innen und Bekannten davon erzählen, wenn sie etwas Neues über Gesundheitsthemen im Lebensmittelbereich erfahren haben, und sich auch bei ihnen über diese Themen informieren. Meinungsführer/innen geben besonders häufig an, Informationen weiterzugeben oder um Rat gefragt zu werden. Sie kennen mehr Gesundheitsthemen im Lebensmittelbereich und sind über diese generell beunruhigter als andere Personen.

Außerdem haben sie ein geringeres Vertrauen in öffentliche Institutionen und Behörden und nutzen häufiger soziale Medien online, um sich über Gesundheitsthemen im Lebensmittelbereich zu informieren oder Kommentare zu schreiben. Um das Potenzial der Meinungsführer/innen als Multiplikatoren nutzen zu können und über diese auch breitere Bevölkerungsschichten zu erreichen, sollten Maßnahmen zur Risikokommunikation daher zunächst Vertrauen schaffen. Außerdem können soziale Medien genutzt werden, um Risikokommunikationsbotschaften zu verbreiten und deren Weitergabe anzuregen.

Einführung

Um Risikokommunikationsmaßnahmen im Bereich der Lebensmittelsicherheit wirksam ge-stalten zu können, ist es hilfreich zu wissen, wie einzelne Risiken von der Bevölkerung eigeschätzt werden. Die Risikowahrnehmung hängt dabei von verschiedenen Faktoren ab: den wahrgenommenen Eigenschaften des Risikos, der Präsentation der Informationen über das Risiko, dem Vertrauen in die Informationsquelle und den individuellen Eigenschaften einzelner Zielgruppen.

Eine Zielgruppe, die dabei für die Risikokommunikation von besonderem Interesse sein kann, sind die sogenannten Meinungsführer/innen. Sie sind nicht professionell kommunizierende Personen, denen ein Einfluss auf Wissen, Meinungen, Einstellungen und Verhalten anderer zugeschrieben wird. Dabei genießen sie das Vertrauen ihrer Freund/innen und Bekannten und könnten als Multiplikator/innen andere über potenzielle Risiken informieren sowie durch sozialen Einfluss deren Risikowahrnehmung verstärken oder abschwächen.

Meinungsführerschaft ist in der bisherigen Forschung als sehr diverses Phänomen aufgetreten, welches in verschiedenen Arten und Kontexten erforscht wurde. Dabei hat man bereits Zusammenhänge zwischen Meinungsführerschaft und Innovationsbereitschaft, Informationssuche, Medien- und Internetnutzung sowie themenspezifischem Wissen und Interesse gefunden (vgl. Jungnickel, 2017, 2018).

Allerdings wurde Meinungsführerschaft bisher noch nicht im Zusammenhang mit Risikowahrnehmung erforscht. Es ist also nicht klar, wie Meinungsführer/innen mit Risiken umgehen, ob sie besorgter oder weniger besorgt sind als die allgemeine Bevölkerung und wie sie sich über Risiken informieren. Um diese Fragen zu klären, wird mithilfe einer telefonischen Befragung einer repräsentativen Stichprobe der deutschen Bevölkerung untersucht, wie Meinungsführerschaft mit der Risiko-wahrnehmung zu einzelnen Lebensmittelrisiken zusammenhängt. Dabei wird zwischen allgemeiner und themenspezifischer Meinungsführerschaft bei Gesundheitsthemen im Lebensmittelbereich unterschieden.

Weiterhin soll ermittelt werden, inwieweit es Zusammenhänge zwischen Meinungsführerschaft, anderen möglichen Einflussfaktoren (wie Risikobereitschaft und Vertrauen in Institutionen) und der Risikowahrnehmung gibt. Ein spezieller Fokus liegt auf der Arbeit des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR). Von Interesse ist dabei, wie bekannt das BfR bei Meinungsführer/innen ist, ob sie dem BfR vertrauen und welche Informationskanäle sie nutzen bzw. wie man sie künftig erreichen kann.

Vollständiger Beitrag

Quelle: BfR

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