Offizielle Vorstellung von „Pfalzmarkt schafft Artenvielfalt“

Frei nach dem Motto „Wir wollen die Artenvielfalt erhalten und fördern“, wurde bei Pfalzmarkt eG in Mutterstadt offiziell ein deutschlandweit wegweisendes Projekt vorgestellt.

Mutterstadt, 22. Oktober 2020 – Bei „Pfalzmarkt schafft Artenvielfalt“ werden – unter wissenschaftlicher Leitung und mehrjähriger Begleitung vom „Institut für Faunistik und Funktionale Artenvielfalt“ (IFAUN) sowie dem „Institut für Naturkunde in Südwestdeutschland“ (Natur Südwest) – unterschiedliche Maßnahmen zur Förderung der Artenvielfalt und Biodiversität in der Vorderpfalz begleitet und dokumentiert. Nach der Auswertung der Ergebnisse durch die unabhängigen Wissenschaftler sollen dann, in Folgeschritten, weitere konkrete Maßnahmen folgen.

Ein Ziel: Die Erkenntnisse zur Schaffung neuer Artenvielfalts-Flächen nutzen

Eine wichtige Zielsetzung ist es, die gewonnenen Erkenntnisse unter anderem auch für die Anlage neuer Artenvielfalts-Flächen zu nutzen. Parallel wird der Dialog zwischen Wissenschaftlern, Landwirten und der interessierten Öffentlichkeit gesucht und aktiv gefördert. „Pfalzmarkt schafft Artenvielfalt“ stärkt und vernetzt damit Ökosysteme und fördert die Bereitschaft, sich aktiv für den Artenschutz zu engagieren. Reinhard Oerther, Vorstand bei Pfalzmarkt eG sagt: „Auf Basis der fundierten wissenschaftlichen Ergebnisse möchten wir als Ideengeber und Initiator – im Konsens und mit möglichst großer Beteiligung unserer 180 aktiven Erzeuger – die Artenvielfalt in der Pfalz schrittweise weiter fördern und dauerhalt helfen, diese zu erhalten!“

Gemeinsam über Generationen denken und handeln: Auf Initiative von Deutschlands Marktführer für selbst erzeugtes Obst und Gemüse werden bei „Pfalzmarkt schafft Artenvielfalt“ unterschiedliche Maßnahmen zur Förderung der Artenvielfalt und Biodiversität in der Vorderpfalz begleitet und dokumentiert. Die wissenschaftliche Leitung und mehrjährige Begleitung des Projekts leisten das „Institut für Faunistik und Funktionale Artenvielfalt“ (IFAUN) sowie das „Institut für Naturkunde in Südwestdeutschland“ (Natur Südwest) Im Bild oben ist das Projektteam bei der Einweihung des ersten Hinweisschilds zu sehen. Bildnachweis: Pfalzmarkt eG

Die Möglichkeiten der Landwirtschaft erkennen und wertschätzen

„Landwirte haben viele Möglich­keiten, sich für den Erhalt der Artenvielfalt einzusetzen“, erklären die wissenschaftlichen Leiter des Projekts, Ronald Burger von IFAUN und Oliver Röller von Natur Südwest, die mit der einzigartigen Flora und Fauna in der Pfalz bestens vertraut sind.

Die Grundlagen bilden Flächen, die zuvor für den Gemüseanbau genutzt wurden

Die wortwörtliche Grundlage für „Pfalzmarkt schafft Artenvielfalt“ bilden Flächen, die bislang ausschließlich für den Gemüseanbau genutzt wurden. Als Alleinstellungsmerkmal beziehen die Wissenschaftler – ergänzend zu Insekten, wie Wildbienen, Laufkäfern oder Faltern – auch Vögel, Reptilien und Amphibien als wichtige Artengruppen mit in das Artenschutzprojekt ein. Damit gesicherte Aussagen über den aktuellen Status der Biodiversität in der Pfalz möglich werden, wurden bereits seit Herbst 2019 Vorarbeiten ausgeführt. Aktuell sind bereits an derzeit sechs Standorten auf einer Gesamtfläche von zunächst rund 3,5 Hektar mehrjährige Blühflächen angelegt. Die Zusammenstellung der Saatgutmischungen sowie die Auswahl und Struktur der Habitate erfolgte nach den Vorgaben der entsprechenden Fachwissenschaftler bei IFAUN und Natur Südwest. 

Die Pfalz als einmalige Kulturlandschaft und Hotspot der Biodiversität erhalten

Die Pfalz ist ein Hotspot für Biodiversität, der traditionell viele wärmeliebende Arten beheimatet. Dabei gilt: Je mehr unterschiedliche Strukturen vorhanden sind, desto mehr Tier- und Pflanzenarten können pas­sende Lebensräume finden. Hans-Jörg Friedrich, Vorstand bei Pfalzmarkt eG sagt: „Etwas in Vergessenheit geraten ist, dass viele  Arten – wie zum Beispiel der Acker-Hahnenfuß, die Kornrade genau wie die Feldlerche und das Rebhuhn – ihr Vorkommen bei uns der Tatsache verdanken, dass Menschen schon seit Urzeiten Ackerbau und Viehzucht in unserer Region betreiben!“

Über Generationen denken und handeln

Da der Mensch – beispielsweise auch durch eine fortschreitende Bebauung – immer mehr Landraub an dieser Kulturlandschaft betreibt, wurden Rückzugsgebiete verringert. Parallel haben Zwischenflächen für seltene Arten an Qualität eingebüßt, weil sie – genau wie Biotope – nur unzureichend miteinander vernetzt sind. Aufgrund der besonderen Verbundenheit mit den natürlichen Lebensgrundlagen ist sich Pfalzmarkt eG als Genossenschaft, die in Zeiträumen von Generationen denkt und handelt, dieser Herausforderung besonders bewusst.

Die bisher sechs Artenvielfalt-Flächen befinden sich bei Böhl-Iggelheim, Schauernheim, Lambsheim und Mutterstadt. Sie sind mit jeweils einem Schild „Pfalzmarkt schafft Artenvielfalt“ gekennzeichnet. Weitere Informationen über das Projekt, die Dokumentation und den Projektverlauf finden Interessierte unter www.pfalzmarkt.de/pfalzmarkt-schafft-artenvielfalt. 

Weitere Informationen

Institut für Faunistik und Funktionale Artenvielfalt (IFAUN)

Das Institut für Faunistik und Funktionale Artenvielfalt (IFAUN) ist auf Wildbienen und ökologische Aufwertungen in der Agrarlandschaft spezialisiert. Der Gründer und wissenschaftliche Leiter, Ronald Burger, ist Diplom-Geograf und seit rund 15 Jahren als Biologe und Kartierer tätig. Er gilt als einer der Experten für Wildbienen-Populationen im Südwesten Deutschlands. Ergänzend zu klassischem Kartierungsmaßnahmen ist IFAUN beispielsweise auch in zahlreichen Forschungsprojekten von Hochschulen und des Bundes (Bundesamt für Naturschutz) eingebunden und beteiligt. Hierzu zählt das Verbundprojekt „BienABest“, bei dem es um die standardisierte Erfassung von Wildbienen zur Evaluierung des Bestäuberpotenzials in der Agrarlandschaft geht.

In diesem Rahmen werden – neben Aufwertungen – auch wegweisende, bestandsschonende Monitoringmethoden für Wildbienen entwickelt und erprobt. Bei „BienABest“ (www.bienabest.de) ist IFAUN Projektpartner für Rheinland-Pfalz. Bei „Pfalzmarkt schafft Artenvielfalt“ verantwortet Ronald Burger die Zusammenstellung, speziell auf die Region angepasster Saatgutmischnugen für die Blühflächen. Darüber hinaus ist er für das Wildbienen- und Wespen-Monitoring sowie das Management der weiteren Pflegemaßnahmen zuständig.

Institut für Naturkunde in Südwestdeutschland (Natur Südwest)

Das Institut für Naturkunde in Südwestdeutschland (Natur Südwest) wurde von Dr. phil. Oliver Röller im Herbst 2015 gegründet. Die Aufgabenfelder von Natur Südwest lassen sich durch den Überbegriff Naturkunde zusammenfassen, wenn wir den Begriff vielseitig verstehen: Arbeitsfelder von Natur Südwest sind sowohl die wissenschaftliche Erkundung der Natur als auch das Informieren breiter Bevölkerungsgruppen über die Natur, also die „Kunde von der Natur“! Die Förderung der Biotop- und Artenvielfalt hat bei vielen Projekten oberste Priorität. Im Projekt „Pfalzmarkt schafft Artenvielfalt“ arbeiten aktuell mit: Diplom-Umweltwissenschaftlerin Annalena Schotthöfer (Tagfalter- und Reptilien-Monitoring), Master of Science Mareike Hansen (Vogel- und Laufkäfer-Monitoring) sowie der Biologe Dr. Oliver Röller (Vegetation-Monitoring und Biotop-Management).

Pfalzmarkt eG

Vor mehr als 30 Jahren begann eine besondere Erfolgsgeschichte: Mehr als 4.200 Genossenschaftsmitglieder schlossen sich zur „Pfalzmarkt für Obst und Gemüse eG“ zusammen. Im April 1988 wurde in Mutterstadt die aktuell größte Handelsplattform für selbst erzeugtes Obst und Gemüse offiziell eröffnet. Heute hat die „Pfalzmarkt eG“ 1.400 Mitglieder und konzentriert – als Vertriebs-, Vermarktungs-, und Qualitätsgemeinschaft – die Kräfte seiner derzeit 180 aktiven Erzeuger.

Den Pfalzmarkt in Mutterstadt verlassen täglich bis zu 250 LKW mit insgesamt 8.000 Paletten Obst und Gemüse. Geliefert wird in alle Regionen Deutschlands und Europas. Ein wichtiger Erfolgsbaustein ist die intelligente Arbeitsteilung. Die Pfalzmarkt-Erzeuger können sich vollständig auf die Obst- und Gemüseproduktion konzentrieren. „Ihre“ Pfalzmarkt eG kümmert sich um die Qualitätssicherung, die komplette Frischelogistik und Lagerung, sowie den Verkauf und Vertrieb der erntefrischen Waren. Dies reduziert den organisatorischen, zeitlichen und finanziellen Aufwand und ermöglicht eine hohe Umschlagsgeschwindigkeit bei den Frischerzeugnissen.

Aufgrund der intelligenten Arbeitsteilung in der Gemeinschaft ist es möglich, dass die Ware bereits wenige Stunden nach der Ernte vom „Pfälzer Acker“ bundesweit auf dem Weg in den Handel zu finden ist. Das gilt für aktuell 140 verschiedene Artikel im Saisonkalender. Die zertifizierten und anerkannten Qualitätsmanagementsysteme (QS, GlobalGAP und IFS) garantieren die gleichbleibend hohe Qualität und Rückverfolgbarkeit der Produkte. Alle Produzenten der Genossenschaft produzieren im sogenannten „Kontrolliert Integrierten Anbau“ und sind mit dem „Qualitätszeichen Rheinland-Pfalz“ ausgezeichnet. Klimatisch profitiert die Pfalz, als das größte Gemüseanbaugebiet Deutschlands, von wichtigen Standortvorteilen: Im Vergleich zu anderen Regionen beginnt die Ernte der Frischgemüse und Salate rund vier Wochen früher. Eine geschickte Bewässerung durch Regenanlagen sorgt selbst in Trockenzeiten für die ständige Verfügbarkeit der Ware und verlängert zudem die Saison im Herbst um etwa weitere drei Wochen.

Seit der Gründung von Pfalzmarkt eG ist die Anbaufläche für Gemüse in Rheinland-Pfalz von knapp 7.000 Hektar auf aktuell rund 15.000 Hektar angewachsen. Die Gesamtanbaufläche für frisches Obst und Gemüse liegt in der Pfalz in der Saison 2020 mit rund 15.000 Hektar weitgehend auf dem Niveau des Vorjahres. Neben den guten Böden und dem milden Klima, als natürliche Standortvorteile der Pfalz, bieten das Beregnungskonzept und die Bündelung der Vermarktungskapazitäten durch „Pfalzmarkt für Obst und Gemüse eG“ beste Voraussetzungen für die weitere positive Entwicklung in Deutschlands Gemüsegarten Nummer 1, der Pfalz.

Pressekontakt:
Pfalzmarkt für Obst und Gemüse eG
Neustadter Straße 100, 67112 Mutterstadt
Björn Wojtaszewski
Telefon 06321 491298
E-Mail bw@prpluscom.de

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