foodwatch: Neue Regeln des Werberats zu Kindermarketing völlig verfehlt

Werbung für Zuckerbomben und fettige Snacks weiter möglich.

Die Verbraucherorganisation foodwatch hat den ab 1. Juni geltenden Werbekodex für Junkfood-Werbung als völlig verfehlt kritisiert. Die neuen Richtlinien ließen den Kern des Problems unangetastet: Weiterhin dürften Lebensmittelindustrie und Werbewirtschaft mit bunten Comics, Spielzeug und Gewinnspielen für zuckrige und fettige Produkte werben. Nur für bestimmte Sonderfälle soll es künftig weniger Spielraum geben – und selbst diese Einschränkungen gelten nur für wenige Werbeformate.

„Wider besseres Wissen setzt Ernährungsministerin Julia Klöckner auf löchrige Selbstverpflichtungen – obwohl Erfahrungen aus anderen Ländern zeigen, dass das Prinzip Freiwilligkeit nicht funktioniert“, erklärte Saskia Reinbeck von foodwatch. „Frau Klöckner verplempert wertvolle Zeit. Anstatt wirkungslose Scheinmaßnahmen zu ergreifen, muss sie ein gesetzliches Werbeverbot auf den Weg bringen – nur so lässt sich das aggressive Kindermarketing für Zuckerbomben und fettige Snacks stoppen.“

Fachorganisationen wie die WHO und auch Ärzteverbände fordern seit Jahren ein Verbot von Junkfood-Werbung an Kinder. Nur ausgewogene Lebensmittel sollten an Kinder beworben werden dürfen. Auch der wissenschaftliche Beirat des Bundesernährungsministeriums (WBAE) empfiehlt in seinem Gutachten gesetzliche Regelungen und beschreibt die „unzureichende Effektivität freiwilliger Selbstkontrollen beim kinderbezogenen Marketing“. Das Gremium verweist auf internationale Erfahrungen, wonach in Ländern mit gesetzlichen Beschränkungen des Kindermarketings der Konsum von Junkfood im Zeitraum von 2002 bis 2016 um 8,9 Prozent gesunken ist. In Länder mit freiwilligen Selbstverpflichtungen der Wirtschaft ist der Konsum im gleichen Zeitraum hingegen um 1,7 Prozent gestiegen.

Die bisherige Selbstkontrolle in Deutschland durch den Deutschen Werberat scheint diese internationalen Erfahrungen zu bestätigen. So hatte foodwatch im März zwölf Beschwerden zu besonders dreisten Fällen von Kindermarketing der Unternehmen Coca-Cola, McDonald’s oder Coppenrath & Wiese beim Deutschen Werberat gemeldet. Das Ergebnis: Keiner der Fälle wurde beanstandet. Auch frühere vergleichbare Beschwerden von foodwatch, dem Bundesverband der Kinder- und Jugendärzte sowie der Deutschen Diabetes Gesellschaft hatten kein Eingreifen des Werberats zur Folge.

foodwatch hat zum Stichtag der neuen Regelungen am 1. Juni noch einmal Beschwerden eingereicht, die zuvor vom Werberat abgewiesen wurden. So will die Verbraucherorganisation überprüfen, ob die neuen Regeln des Werberats in der Praxis einen Unterschied machen.

Quellen und weiterführende Informationen:

Quelle: foodwatch

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