Vitamin D: Mehr als nur ein Vitamin

Laut aktuellem Ernährungsbericht der Deutschen Gesellschaft für Ernährung ist die Vitamin-D-Versorgung in Deutschland nicht ausreichend.

Woran das liegt, wer besonders gefährdet ist einen Mangel zu entwickeln und wie man sich selbst vor einer Unterversorgung mit dem Sonnenvitamin schützen kann, beantwortet Dr. Thomas Schettler, Mitglied des internen wissenschaftlichen Ausschusses der GIVE e.V., in unserem Experten-Interview.

Warum ist Vitamin D so wichtig für unsere Gesundheit?

Das Vitamin D nimmt eine Sonderstellung unter den Vitaminen ein, denn es ist kein Vitamin im eigentlichen Sinne sondern ein Hormonvorläufer. Neben der Aufnahme mit der Nahrung kann das Vitamin auch bei Sonneneinstrahlung in der Haut des Menschen synthetisiert werden. In der Leber und in der Niere vollzieht sich dann die Umwandlung in die hormonell aktive Substanz 1,25-Dihydroxy-Vitamin D. Das Hormon wird in erster Linie benötigt, um den Calcium-Bedarf des menschlichen Körpers zu decken und ermöglicht die ausreichende Aufnahme des Mineralstoffs aus dem Darm. 30 bis 40 Prozent des mit der Nahrung aufgenommen Calciums und 80 Prozent des Phosphors können so für das Knochengerüst zur Verfügung gestellt werden – Vitamin D spielt somit eine zentrale Rolle bei der Mineralisation der Knochen.

Außerdem ist das Vitamin auch an der Bildung der knochenaufbauenden Zellen – der Osteoblasten – beteiligt und sorgt dafür, dass sich das Knochengrundgerüst entwickeln kann. Diese klassischen Wirkungen von Vitamin D auf den Calcium- und Phosphatstoffwechsel stellen jedoch nur einen Teil seines vielfältigen Wirkungsspektrums dar. Darüber hinaus konnten auch Wirkungen auf das Immunsystem, das Herz-Kreislaufsystem und die Haut beobachtet werden. So wird mittlerweile auch die Rolle des Vitamin D in der Behandlung von Herz-Kreislauferkrankungen, von Immunerkrankungen wie z.B. Diabetes oder Multipler Sklerose und auch von Krebserkrankungen untersucht.

Laut aktuellem Ernährungsbericht der DGE ist die Vitamin-D-Versorgung in Deutschland nicht ausreichend. Woran liegt das?

Nur ein relativ geringer Teil des Vitamin D wird über die Nahrung aufgenommen. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung gibt an, dass je nach Altersgruppe pro Tag 10 bis 20 Mikrogramm Vitamin D benötigt werden – Kinder nehmen täglich aber nur 1 bis 2 Mikrogramm und Jugendliche und Erwachsene nur 2 bis 4 Mikrogramm über die Nahrung auf. Der größte Teil des Bedarfs muss daher mit Hilfe der Ultraviolett-B (UVB)-Strahlen der Sonne in der Haut hergestellt werden.

In unseren Breiten – zwischen dem 47. und 55. Breitengrad – reicht die UVB-Strahlung in den Wintermonaten von Oktober bis März  jedoch nicht aus, um ausreichend Vitamin D in der Haut zu bilden. Im Sommer könnten bei einer Ganzkörper-Sonnenbestrahlung dagegen täglich bis zu 250 Mikrogramm des Vitamins erzeugt werden, wozu ein halbstündiges Sonnenbad ausreichen würde.

Da Vitamin D fettlöslich ist, kann das im Sommer gebildete Vitamin im Fettgewebe und in der Muskulatur gespeichert werden und dem Körper im Winterhalbjahr zur Verfügung gestellt werden. Für Personen, die sich im Sommer häufig im Freien aufhalten, kann der Vitamin-D-Vorrat ausreichen, um auch den Bedarf im Winter zu decken. Trotzdem gibt es verschiedene Faktoren, die bewirken, dass die im Sommer produzierte Menge bei vielen nicht für die Wintermonate ausreicht.

Gibt es Bevölkerungsgruppen, die einen erhöhten Bedarf haben, bzw. die besonders gefährdet sind, einen Mangel zu erleiden?

Menschen im Alter von 50 Jahren und älter haben ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung eines  Vitamin-D-Mangels. Das liegt daran, dass die alternde Haut die Fähigkeit verliert, Vitamin D so effizient wie notwendig zu synthetisieren. Außerdem können die Nieren im Alter auch weniger Vitamin D in die aktive Form umwandeln.

Eine weitere Risikogruppe sind Frauen, die zum Beispiel aus religiösen Gründen lange Kleider und Kopfbedeckungen tragen – auch sie können durch die geringe Sonneneinstrahlung auf die Haut keine ausreichenden Mengen des Vitamins synthetisieren.

Daneben hat die Pigementierung der Haut einen Einfluss auf die Vitamin-D-Produktion: Menschen mit dunklerer Haut besitzen mehr Melanin. Das Pigment reduziert die Fähigkeit der Haut, bei Sonneneinstrahlung Vitamin D zu produzieren. Daher müssen sie sich länger in der Sonne aufhalten, um die erforderliche Menge an Vitamin D zu synthetisieren.

Letztlich sind auch die Büroarbeit und die Zunahme von Freizeitaktivitäten in geschlossenen Räumen, wie z.B. am Computer oder Fernsehen, für das Risiko einer Unterversorgung mit Vitamin D verantwortlich.

Wie hoch sollte der Vitamin-D-Spiegel idealerweise liegen? Und wie kann ich einem Mangel vorbeugen? Gibt es beispielsweise Lebensmittel, die besonders viel von dem Vitamin enthalten?

Ein Vitamin-D-Mangel liegt nach der Deutschen Gesellschaft für Ernährung dann vor, wenn der Serum-25-Hydroxyvitamin-D-Spiegel unter 30 Nanomol pro Liter (30 nmol/l) liegt. Eine gute Vitamin-D-Versorgung im Hinblick auf die Knochengesundheit ist bei einer Serumkonzentration von 50 Nanomol pro Liter und mehr gewährleistet. Wenn keine Vitamin-D-Synthese über die Haut stattfindet, kann diese Konzentration mit einer täglichen Aufnahme von 20 Mikrogramm Vitamin D erreicht werden.

Nur wenige Lebensmittel enthalten Vitamin D in signifikanten Mengen – die meisten davon sind tierischen Ursprungs. Dazu gehören insbesondere fetthaltige Fische (z. B. Lachs, Hering, Makrele) und in deutlich geringerem Maße Leber, Margarine (angereichert mit Vitamin D), Eigelb und mehrere Speisepilze. In Deutschland beträgt die Vitamin-D-Aufnahme über übliche Lebensmittel jedoch nur 2 bis 4 Mikrogramm pro Tag.

Wie erfahre ich, ob ich ausreichend mit Vitamin D versorgt bin? Gibt es Symptome, die auf einen Mangel hinweisen?

Leider sind die Symptome bei einem Vitamin-D-Mangel sehr unspezifisch: Müdigkeit und Abgeschlagenheit zählen ebenso dazu wie eine verstärkte Anfälligkeit für Infekte. Die Symptome alleine reichen daher nicht aus, um einen Vitamin-D-Mangel oder eine unzureichende Zufuhr festzustellen. Eine Einschätzung der persönlichen Lebensumstände und der Zugehörigkeit zu einer der Risikogruppen kann dabei helfen, die Wahrscheinlichkeit für eine Unterversorgung abzuschätzen.

Letztendlich kann aber nur die Messung des Vitamin-D-Spiegels im Plasma Aufschluss über den momentanen Vitamin-D-Status geben. Für die Bewertung des persönlichen Plasmaspiegels und für eine Absprache der eventuell zu treffenden Maßnahmen zur Verbesserung des Vitamin-D-Status sollte ein Hausarzt aufgesucht werden.

Pressekontakt:
Annalena Müller / Helen Förster
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Quelle: GIVE

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