Vitamin D für ein gesundes Herz: Vielversprechende Ansätze

Die Entdeckung des Vitamin D liegt rund 100 Jahre zurück. Damals stellte man fest, dass die Knochenerkrankung Rachitis mit Vitamin D geheilt werden kann und das Vitamin, das eigentlich ein Hormonvorläufer ist, gilt seither als wichtige Komponente beim Erhalt der Knochengesundheit. Heute ist bekannt: Nicht nur die Stabilität der Knochen, auch die Funktion zahlreicher anderer Organsysteme wird durch Vitamin D beeinflusst. Eines davon ist das Herz-Kreislauf-System.

Jedes Hormon entfaltet seine Wirkung, indem es an bestimmte Rezeptoren bindet – so auch die aktive Form des Vitamin D. Dockt das Vitamin an seinen Rezeptor an, werden Stoffwechselvorgänge in Gang gesetzt  oder gehemmt. Ob ein Hormon Einfluss auf ein bestimmtes Organ hat, kann also daran erkannt werden, ob in den Zellen des Organs entsprechende Rezeptoren vorhanden sind. Nachdem sich Untersuchungen zur Wirkung von Vitamin D lange Zeit auf den Knochenstoffwechsel beschränkten, weiß man heute: Auch in Zellen des Herz-Kreislauf-Systems befinden sich Vitamin-D-Rezeptoren – das Vitamin könnte also auch einen Einfluss auf die Herzgesundheit haben.

Laborstudien liefern erste Hinweise für schützende Wirkung

Welche Aufgabe die Vitamin-D-Rezeptoren und damit auch das Vitamin D im Herz-Kreislauf-System haben, wurde zunächst in Laborstudien untersucht. An Mäusen konnte beobachtet werden, dass das Vitamin Einfluss auf den Blutdruck, die Blutgerinnung sowie auf die Funktion der Blutgefäße und des Herzens hat. (1) Tiere, die aufgrund einer Mutation keine Vitamin-D-Rezeptoren besitzen, entwickeln Herz-Kreislauf-Erkrankungen – ein Hinweis auf einen direkten Zusammenhang zwischen Vitamin D und der Herzgesundheit. Die Mechanismen, die hinter diesen Beobachtungen stecken, sind noch nicht ganz geklärt. Möglicherweise führt ein Vitamin-D-Mangel jedoch zu einer verstärkten Verkalkung der Blutgefäße.2

Vitamin-D-Spiegel könnte Risiko für Herzerkrankungen beeinflussen

Dass auch beim Menschen ein Zusammenhang zwischen dem Vitamin-D-Status und der Herzgesundheit besteht, zeigen verschiedene Beobachtungsstudien. Personengruppen mit niedrigem Vitamin-D-Spiegel scheinen ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu haben. (3) Aber auch Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen und Diabetes – allesamt Risikofaktoren für Herzerkrankungen – treten bei unzureichendem Vitamin-D-Status vermehrt auf.3 Bei der Interpretation dieser Studienergebnisse ist bislang jedoch noch Vorsicht geboten: Die Beobachtungen sagen nichts darüber aus, ob der Vitamin-D-Mangel selbst die Ursache für die Erkrankungen ist. Möglicherweise ist der niedrige Spiegel nur eine Begleiterscheinung eines generell ungesunden Lebensstils: Wenig Bewegung, zu wenig Sonnenexposition und eine ungesunde Ernährung könnten die eigentlichen Ursachen sein.

Zukünftige Studien sollen Antworten liefern

Zwar fehlen bisher eindeutige Beweise – die Ergebnisse aus Labor- und Beobachtungsstudien bilden aber eine gute Grundlage für die weitere Forschung. Großangelegte Untersuchungen sollen zukünftig klären, ob das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen durch den Einsatz von Vitamin-D-Präparaten gesenkt werden kann. Sollte der direkte Zusammenhang zwischen Vitamin-D-Status und  dem Erkrankungsrisiko bestätigt werden, könnte das Vitamin dabei helfen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und damit der weltweit häufigsten Todesursache vorzubeugen.

[1] Bouillon R, Carmeliet G, Verlinden L et al.; Vitamin D and human health: lessons from vitamin D receptor null mice. Endocr Rev. 2008 Oct; 29(6):726-76.

[2] Razzaque MS; The dualistic role of vitamin D in vascular calcifications. Kidney Int. 2011 Apr; 79(7):708-14.

[3] Grübler MR, März W, Pilz S et al.; Vitamin-D concentrations, cardiovascular risk and events – a review of epidemiological evidence. Rev Endocr Metab Disord. 2017 Jun; 18(2):259-272.

Quelle und Pressekontakt GIVE e.V.

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