Mikrobiom des Darms

Foto: Billion Photos.com – stock.adobe.com / Nestlé Ernährungsstudio

Der menschliche Körper wird von einer Vielzahl von Mikroorganismen besiedelt. Dazu zählen Bakterien, aber auch Pilze und Viren. Sie leben auf der Körperoberfläche, im Mund-, Nasen- und Rachenbereich bis hin zur Lunge, den Harn- und Geschlechtsorganen sowie im gesamten Magen-Darm-Bereich. Dabei verfügt jeder Mensch über seinen eigenen mikrobiellen Fingerabdruck.

„Etwa 95 Prozent aller Mikroorganismen befinden sich jedoch im Verdauungstrakt“, sagt Dr. Annette Neubert, Ernährungswissenschaftlerin im Nestlé Ernährungsstudio. „Das Mikrobiom des Darms umfasst schätzungsweise rund 100 Billionen Mikroorgansimen, wovon die Mehrheit Bakterien sind. Allerdings wird diese Zahl stark diskutiert.“

Speziell das Darmmikrobiom ist Studien zufolge höchstwahrscheinlich für viele Zusammenhänge zwischen Ernährung, Verdauung, Stoffwechsel und Gesundheit besonders wichtig. Welche Zusammenhänge dies genau sind, wie sie funktionieren und wie groß ihr Einfluss wirklich ist, ist Gegenstand aktueller Forschungen von Wissenschaftlern verschiedener Fachrichtungen weltweit.

Ein gesundes Mikrobiom und seine Wirkung

Ein Mikrobiom mit einer hohen Diversität gilt als gesund. Das bedeutet, dass nicht die Anzahl bestimmter Bakterien- oder Pilzkulturen wichtig ist, sondern dass es möglichst viele unterschiedliche Mikroorganismen in ausgeglichenen Mengen gibt. „In der Forschung geht man derzeit davon aus, dass es besonders protektive Bakterien sind, die divers vorhanden sein sollten, damit die Darmflora gesund ist“, erläutert Dr. Annette Neubert.

„Diese protektiven Darmbakterien können unter anderem Kohlenhydrate und Ballaststoffe abbauen, bestimmte Vitamine bilden und die Nährstoffaufnahme ins Blut fördern. Außerdem helfen sie bei der Abwehr von Keimen und schädlichen Bakterien oder produzieren im Dickdarm kurzkettige Fettsäuren, die eine Reihe von Erkrankungsrisiken reduzieren können.“ Weitere positive Effekte eines gesunden Darmmikrobioms schließen Mediziner nicht aus.

Denn wie Studien zeigen konnten, weisen Menschen mit chronischen Erkrankungen, wie Diabetes mellitus oder Adipositas, eine geringere Diversität an Darmbakterien auf – im Gegensatz zu gesunden Menschen mit normalem Gewicht. Darüber hinaus werden mögliche Zusammenhänge zwischen Erkrankungen des Darms, Allergien, Stoffwechselstörungen oder auch psychischen Erkrankungen und dem Darmmikrobiom diskutiert.

Mikrobiom und Adipositas

Laut verschiedenen Studien haben Menschen mit Adipositas eine veränderte Zusammensetzung der Darmbakterien im Vergleich zu normalgewichtigen Menschen. Die Bakterien des Mikrobioms bei stark übergewichtigen Menschen verwerten Nahrungsbestandteile noch effektiver, wodurch die Energieaufnahme bei ihnen größer ist. Darüber hinaus produzieren die Darmbakterien bei adipösen Menschen weniger wertvolle kurzkettige Fettsäuren. Diese haben allerdings positive Auswirkungen auf den Stoffwechsel: Sie können unter anderem über verschiedene Signalwege ein Sättigungsgefühl hervorrufen, den Energieumsatz in den Zellen steigern und antientzündlich wirken.

Alles für einen gesunden Darm: Probiotika und Präbiotika

Wenn es um eine gesunde Darmflora geht, werden oft probiotische Lebensmittel oder Nahrungsergänzungsmittel empfohlen. Sie enthalten probiotische Bakterien, wie Milchsäure- oder Bifidobakterien, denen gesundheitsfördernde Eigenschaften zugesprochen werden. Jedoch sind nicht alle Bakterienstämme gleichermaßen für die Einnahme als Probiotikum geeignet. Wichtig bei der Herstellung eines Probiotikums ist es, Bakterienstämme zu verwenden, die auch nach den Verarbeitungsprozessen bei der Lebensmittelherstellung oder dem Kontakt mit der Magensäure lebend im Dickdarm ankommen. Ein gesunder Darm wird natürlicherweise von solchen probiotischen Bakterien besiedelt, aber auch zum Teil durch die Ernährungsweise beeinflusst.

Ist das Darmmikrobiom durch eine einseitige Ernährung, Stress oder die Einnahme von Antibiotika geschwächt, kann eine aktive Zugabe von Probiotika helfen. Dafür sollte jedoch in Absprache mit einem Arzt auf ein nachgewiesen wirksames probiotisches Präparat zurückgriffen und darüber hinaus auf eine vollwertige Ernährung geachtet werden. Neben den Probiotika gibt es außerdem noch die sogenannten Präbiotika.

„Bei Präbiotika handelt es sich um unverdauliche Nahrungsbestandteile, wie zum Beispiel Ballaststoffe, die als Nahrung für die Darmbakterien dienen und somit deren Vermehrung fördern. Dadurch wirken sich Präbiotika positiv auf die Darmflora aus“, erklärt Dr. Annette Neubert. „Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt, täglich mindestens 30 Gramm Ballaststoffe aus Vollkornprodukten, Gemüse, Hülsenfrüchten und Obst aufzunehmen. Diese Lebensmittel sind ein fester Bestandteil einer vollwertigen Ernährung und liefern neben Ballaststoffen zahlreiche Vitamine und Mineralstoffe.“

Fazit

Das Mikrobiom des Darms spielt für den Körper und die Gesundheit eine wichtige Rolle. Welche genauen Zusammenhänge zwischen Ernährung, Mikrobiom, Darmgesundheit, aber auch Erkrankungen dabei zum Tragen kommen, werden weitere Forschungsergebnisse in den kommenden Jahren klären. Bis dahin lohnt es sich aber durchaus, das Darmmikrobiom mithilfe einer vollwertigen, ballaststoffreichen Ernährung zu unterstützen.

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Quelle: Nestlé Ernährungsstudio

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