Allergien und Heuschnupfen: Welche Rolle spielen Mikronährstoffe?

Asthma, Heuschnupfen oder Kreuzallergien – all diese Erkrankungen werden unter dem Begriff „Allergie“ zusammengefasst. Er bezeichnet eine überschießende Immunreaktion auf körperfremde, eigentlich harmlose Substanzen, wie sie in Pollen oder Gräsern vorkommen.

Die steigenden Temperaturen kündigen den Frühling an – und mit ihm besondere Herausforderungen für Pollenallergiker. Denn mit dem Aufblühen der Natur beginnt auch die Heuschnupfen-Saison. Zusätzlich zur Einnahme von Medikamenten kann eine ausgewogene und histaminarme Ernährung helfen, die Entzündungsvorgänge im Körper zu regulieren. Neue Evidenzen belegen außerdem, dass Lipidmediatoren, die aus mehrfach ungesättigten Fettsäuren gebildet werden, eine antiallergische Wirkung besitzen. Auch Vitamin D könnte dank seiner immunmodulierenden Eigenschaften die Allergiebeschwerden lindern.

Allergien sind in Deutschland weit verbreitet: Aktuell leiden fast 20 % der erwachsenen Bevölkerung an mindestens einer Allergie. In den Industrieländern ist Heuschnupfen am weitesten verbreitet [1]. Typische Symptome sind Niesen, Fließschnupfen und Augenjucken. Ausgelöst werden diese durch Allergene in der Luft – in Form der Blütenpollen. Ein Heuschnupfen kann sich von den oberen auch auf die unteren Atemwege verlagern und sich im schlimmsten Fall zu allergischem Asthma ausweiten.

Lipidmediatoren fördern die Auflösung der Entzündung

Einige Nährstoffe, wie Omega-3-Fettsäuren, besitzen immunmodulatorische Eigenschaften und können eine positive Wirkung auf entzündliche Prozesse haben, wie sie auch bei Allergien vorkommen. Eine systematische Übersichtsarbeit von Calder und Kremmyda et al. kommt zu dem Schluss, dass die Gabe von Fischöl während der Schwangerschaft und Stillzeit sowie im ersten Lebensjahr des Kindes die Prävalenz und den Schweregrad von Ekzemen, Heuschnupfen und Asthma verringern kann [2]. Besonders bedeutsam sind dabei die langkettigen Omega-3-Fettsäuren Docosahexaensäure (DHA) und Eicosapentaensäure (EPA).

Aus mehrfach ungesättigten Fettsäuren werden im Körper außerdem Lipidmediatoren gebildet. Neue Evidenzen belegen, dass die Lipidmediatoren Lipoxine, Resolvine E1 und D1 sowie Protektine und Maresine antiallergische Wirkungen haben und damit eine starke Schutzfunktion gegen allergische Reaktionen ausüben könnten. Denn die Lipidmediatoren fördern die Auflösung der Entzündung im Körper. Als gesichert gilt, dass eine persistierende Entzündung die Ursache für allergische Erkrankungen ist und auch die Intensität der Symptome bestimmt [3]. Eine ausreichende Versorgung mit mehrfach ungesättigten Fettsäuren über die Ernährung oder Supplemente könnte demnach ein möglicher Schutzfaktor gegen allergische Erkrankungen sein.

Vitamin D unterstützt eine intakte Immunfunktion

Auch Vitamin D trägt zu einer stabilen Funktion des Immunsystems bei. So übt es auch bei allergischen Immunreaktionen eine modulierende Wirkung aus: Es hemmt die Produktion entzündungsfördernder Signalmoleküle und leitet die Synthese antimikrobieller Peptide ein. Darüber hinaus scheint es die Sekretion von Antikörpern des Typs Immunglobulin-E (IgE) zu hemmen [4]. IgE vermittelt bestimmte allergische Reaktionen, wie Heuschnupfen oder allergisches Asthma.

Iranische Ärzte untersuchten in einer Studie die Wirkung einer 2-monatigen Vitamin-D-Supplementierung auf die Symptome des allergischen Schnupfens bei Patienten mit Vitamin-D-Mangel. Während der Testphase wurden die Studienteilnehmer im Verhältnis 1:1 entweder mit Antihistaminika (Cetirizin) plus Vitamin D oder routinemäßig mit Cetirizin plus Placebo versorgt. Nach 8 Wochen zeigte sich ein signifikanter Unterschied: Die Patienten, die zum Cetirizin zusätzlich Vitamin D supplementierten, hatten mildere allergische Symptome im Vergleich zum Ausgangswert als jene, die das Antihistaminikum plus Placebo einnahmen. Diese Ergebnisse lassen darauf schließen, dass bei Patienten mit allergischem Schnupfen und Vitamin-D-Mangel eine Supplementation von Vitamin D, zusammen mit der Gabe von Antihistaminika, zu einer Verbesserung der Symptomatik führen kann [5].

Histaminarme Ernährung bei Heuschnupfen

Heuschnupfen entsteht durch die Überreaktion des Immunsystems auf den Kontakt mit Pollen. Bei der Sensibilisierung durch den ersten Kontakt produzieren Abwehrzellen spezifische Antikörper vom Typ IgE. Wenn es nun zu einem weiteren Kontakt mit dem Pollenallergen kommt, reagiert dieses mit den zuvor gebildeten IgE-Antikörpern. In der Folge wird der entzündungsfördernde Botenstoff Histamin ausgeschüttet. Dieser ruft die typischen Allergiesymptome hervor, wie Schwellungen der Schleimhäute und eine laufende Nase. Eine histaminarme Ernährung kann helfen, die Schwere der Symptome zu lindern, wie in einer Pilotstudie beobachtet: Kinder mit milden allergischen Symptomen von Asthma tendierten zu längeren und schwereren Beschwerden, wenn sie histaminreich aßen [6]. Besonders reich an Histamin ist Fisch, der nicht fangfrisch oder nicht fangfrisch tiefgefroren ist sowie Fleisch- und Wurstwaren, die nicht mehr ganz frisch sind.

Neben der Einnahme von Medikamenten kann auch die richtige Ernährung dabei unterstützen, Allergiebeschwerden zu lindern. Einige Nährstoffe, wie Vitamin D und mehrfach ungesättigte Fettsäuren, rücken dabei in den Fokus. Zukünftig bedarf es weiterer groß angelegter Interventionsstudien, um die Wirksamkeit der Nährstoffe und des Ernährungsverhaltens auf die Linderung der Symptome von Allergien zu bestätigen.

[1] Langen, U., Schmitz, R. & Steppuhn, H. Häufigkeit allergischer Erkrankungen in Deutschland. Bundesgesundheitsbl. 56, 698–706 (2013). https://doi.org/10.1007/s00103-012-1652-7

[2] Calder PC, Kremmyda LS, Vlachava M, Noakes PS, Miles EA. Is there a role for fatty acids in early life programming of the immune system?. Proc Nutr Soc. 2010;69(3):373-380. doi:10.1017/S0029665110001552

[3] Stockert K. Lipidmediatoren und ihre Rolle bei Entzündungen und Allergien. Allergieprävention. Springer, Berlin, Heidelberg (2020). https://doi.org/10.1007/978-3-662-58140-7_6

[4] Sikorska-Szaflik H, Sozańska B. The Role of Vitamin D in Respiratory Allergies Prevention. Why the Effect Is so Difficult to Disentangle?. Nutrients. 2020;12(6):1801. Published 2020 Jun 17. doi:10.3390/nu12061801

[5] Bakhshaee M, Sharifian M, Esmatinia F, Rasoulian B, Mohebbi M. Therapeutic effect of vitamin D supplementation on allergic rhinitis. Eur Arch Otorhinolaryngol. 2019;276(10):2797-2801. doi:10.1007/s00405-019-05546-x

[6] Vassilopoulou E, Konstantinou GN, Dimitriou A, Manios Y, Koumbi L, Papadopoulos NG. The Impact of Food Histamine Intake on Asthma Activity: A Pilot Study. Nutrients. 2020;12(11):3402. Published 2020 Nov 5. doi:10.3390/nu12113402

Quelle: GIVE e.V.

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