Hafer-Beta-Glucan kann zur Aufrechterhaltung eines normalen Cholesterinspiegels beitragen. Die EU erlaubt dafür klar begrenzte Gesundheitsangaben; pauschale Versprechen zur Vorbeugung oder Therapie von Herz-Kreislauf-Erkrankungen gehen darüber hinaus.

Was Beta-Glucan ist
Beta-Glucane sind lösliche Ballaststoffe. In Hafer und Haferkleie bilden sie in Verbindung mit Flüssigkeit eine viskose Masse. Dadurch können unter anderem Gallensäuren im Darm gebunden und vermehrt ausgeschieden werden. Für ihre Neubildung nutzt der Körper Cholesterin; das kann den LDL-Cholesterinspiegel senken.
Welche Aussagen in der EU zugelassen sind
Für Beta-Glucane aus Hafer, Haferkleie, Gerste oder Gerstenkleie ist die Aussage zugelassen, dass sie zur Aufrechterhaltung eines normalen Cholesterinspiegels beitragen. Das Lebensmittel muss mindestens ein Gramm Beta-Glucan je angegebener Portion liefern; zugleich ist darüber zu informieren, dass die positive Wirkung bei täglich drei Gramm eintritt.
Für Hafer-Beta-Glucan ist außerdem die Aussage erlaubt, dass es nachweislich den Blutcholesterinspiegel senkt. Dabei muss erklärt werden, dass ein hoher Cholesterinspiegel ein Risikofaktor für die Entstehung koronarer Herzkrankheiten ist. Auch hierfür gelten drei Gramm täglich und mindestens ein Gramm je angegebener Portion.
Ein Risikofaktor ist jedoch nicht die einzige Ursache einer Erkrankung. Die zugelassene Angabe bedeutet weder, dass Hafer eine Herzkrankheit verhindert, noch dass Beta-Glucan eine medizinisch notwendige Behandlung ersetzt.
Was die BELT-Studie von 2020 zeigte
In einer randomisierten, placebokontrollierten Studie erhielten 83 Personen mit leicht erhöhtem Cholesterinspiegel acht Wochen lang täglich drei Gramm Hafer-Beta-Glucan als in Wasser gelöstes Konzentrat oder ein Placebo. In der Interventionsgruppe sank der mittlere LDL-Wert gegenüber dem Ausgangswert nach vier Wochen um 12,2 Prozent und nach acht Wochen um 15,1 Prozent. Das Gesamtcholesterin sank um 6,5 beziehungsweise 8,9 Prozent.
Die kleine, zeitlich begrenzte Studie stützt den Effekt auf Blutfette. Sie belegt aber keine Verringerung von Herzinfarkten oder Schlaganfällen und erlaubt keine pauschale Übertragung der genauen Prozentwerte auf jede Person oder jedes Haferprodukt. Dosis, Löslichkeit, Ausgangswerte, Ernährung und individuelle Stoffwechsellage beeinflussen das Ergebnis.
Wie sich drei Gramm im Alltag erreichen lassen
Der Beta-Glucan-Gehalt unterscheidet sich je nach Produkt. Häufig liefern etwa 70 Gramm Haferflocken oder rund 50 Gramm Haferkleie ungefähr drei Gramm; verlässlich sind die Nährwert- beziehungsweise Herstellerangaben. Die Menge kann auf mehrere Mahlzeiten verteilt werden, beispielsweise Porridge zum Frühstück und Haferkleie in Joghurt oder einer pflanzlichen Alternative.
Wer die Ballaststoffmenge deutlich erhöht, sollte dies schrittweise tun und ausreichend trinken. Bei diagnostiziertem erhöhtem Cholesterin werden Ernährung, Bewegung, weitere Risikofaktoren und gegebenenfalls Medikamente ärztlich gemeinsam bewertet.
Quellen
- Verordnung (EU) Nr. 1160/2011: Hafer-Beta-Glucan und Senkung des Blutcholesterins
- Verordnung (EU) Nr. 432/2012: zugelassene gesundheitsbezogene Angaben
- Cicero AFG et al.: BELT Study. Nutrients 2020;12:686. doi:10.3390/nu12030686.
Fachlich und rechtlich überarbeitet am 6. September 2026 / food-monitor / KI. Der Beitrag ersetzt keine individuelle medizinische Beratung.
Dieser Beitrag ist Teil des Themenfeldes Ernährung, Gesundheit und Fitness.
