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UN-Klimakonferenz: Mehr als 50 NGOs fordern, landwirtschaftliche Tierhaltung als Hauptursache der Klimakrise anzuerkennen

Mehr als 50 Tierschutz-, Umwelt- und Ernährungssorganisationen aus der ganzen Welt haben sich in einem Schreiben an Alok Sharma, den Präsidenten der diesjährigen UN-Klimakonferenz COP26 und die Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen (UNFCCC) gewandt.

Sie fordern die Verantwortlichen auf, die katastrophalen Auswirkungen der Tierhaltung auf den Planeten auf der Konferenz Anfang November in Glasgow öffentlich anzuerkennen.

In der Agrarindustrie werden jedes Jahr mehr als 88 Milliarden Tiere für die Lebensmittelproduktion gezüchtet und geschlachtet. Die Branche ist für schätzungsweise 14,5 % der vom Menschen weltweit verursachten Treibhausgasemissionen verantwortlich. Obwohl die Tierhaltung damit zu den größten Verursachern der Klimakrise zählt, wird sie von den Ländern der Welt in ihren Klimaschutzstrategien weitgehend vernachlässigt.

Das Schreiben wurde unter anderem von der Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt, der Humane Society International, Compassion in World Farming, 50by40, Animal Equality, Vier Pfoten International, ProVeg International, der RSPCA und The Humane League unterzeichnet. Die Verbände erwarten, dass die formelle Anerkennung die Staats- und Regierungschefs dazu ermutigen wird, Strategien zur Reduktion des Fleisch- und Milchkonsums zu erarbeiten. Ohne diese wird es kaum möglich sein, das im Pariser Abkommen festgelegte Maximum von 2°C – besser 1,5°C – Temperaturanstieg nicht zu überschreiten.

Neben den erheblichen Treibhausgasemissionen ist die landwirtschaftliche Tierhaltung auch der größte anthropogene Flächennutzer: Die Produktion von Fleisch, Eiern und Milchprodukten sowie Aquakulturen beanspruchen etwa 83 % der weltweiten landwirtschaftlichen Nutzfläche, diese liefern aber nur 37 % des weltweiten Eiweißbedarfs und 18 % der Kalorien. Die Tierhaltung ist auch eine der Hauptursachen für die Abholzung der Wälder, das Artensterben, die Verschlechterung der Bodenqualität, die Erschöpfung der Wasserressourcen und die Umweltverschmutzung.

Wissenschaftler:innen fordern Ernährungswende

Wissenschaftler:innen sind sich einig, dass eine weltweite Umstellung auf eine pflanzlichere Ernährung der Schlüssel zur Bekämpfung der Klimaerhitzung sein wird. So zum Beispiel die 107 Expert:innen, die einen Bericht für den Weltklimarat (IPCC) erstellt haben, und die mehr als 11 000 Unterzeichner:innen aus 153 Ländern einer kürzlich in der Zeitschrift BioScience veröffentlichten Warnung.

Der jüngste Bericht des Weltklimarats der Vereinten Nationen (IPCC) hat gezeigt, dass sich die Klimakrise verschärfen wird, wenn die Treibhausgasemissionen weiter ansteigen, und dass die Zukunft des Planeten von den Entscheidungen abhängt, die die Menschheit heute trifft. Der Bericht ist eine deutliche Warnung, alle Hauptverursacher der Klimakrise, einschließlich der Intensivtierhaltung, in allen Ländern gemeinsam anzugehen.

Einige Städte und Länder beginnen, den Fleischkonsum in ihre Klimaschutzstrategien einzubeziehen. So will die Stadt Berkeley in den USA ihre Ausgaben für Tierprodukte in städtischen Kantinen bis 2024 um die Hälfte reduzieren, indem sie mehr pflanzliche Speisen anbietet. In Frankreich soll es zukünftig regelmäßig vegetarische Optionen in den öffentlichen Kantinen geben. Und Dänemark empfiehlt in seinen überarbeiteten Ernährungsrichtlinien, weniger Fleisch und dafür pflanzlicher zu essen.

Das Schreiben im Wortlaut:

Die unterzeichnenden Organisationen

Pressekontakt:
Diana von Webel
Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt
+49 30 400 54 68-15
presse@albert-schweitzer-stiftung.de

Quelle: Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt, übermittelt durch news aktuell