Tafeltrauben: Worin unterscheiden sie sich von Keltertrauben?

Tafeltrauben und Keltertrauben unterscheiden sich nicht nur in Geschmack und Aussehen. Es gibt auch Unterschiede im Anbau und bei der Ernte.

Weintrauben
Foto: Claudia – CC-Lizenz (BY 2.0) – Some rights reserved – Quelle: www.piqs.de

Weintrauben, aus denen man Wein gewinnt, nennt man in der Fachsprache Keltertrauben. Diese Bezeichnung leitet sich ab von der Kelter, einer Presse zur Wein- und Saftgewinnung. Jene Weintrauben, die man im Supermarkt als frisches Obst für den Direktverzehr kaufen kann, werden dagegen als Tafeltrauben bezeichnet.

Ein wesentlicher Unterschied zwischen Keltertrauben und Tafeltrauben liegt in der Fruchtgröße: Die Beeren der Tafeltrauben sind in der Regel doppelt so groß und schwer wie die der Keltertrauben. Keltertraubenbeeren sind außerdem meistens rund bis leicht oval, während bei den Tafeltrauben neben runden Sorten häufig auch länglich-ovale oder spitz-ovale Formen vorkommen.

Damit man die einzelnen Beeren besser abzupfen kann, sind die Trauben der Tafeltraubensorten „lockerbeeriger“, das heißt weniger dicht gepackt als die der Keltertrauben. Bei den Tafeltrauben sind überdies kernlose Sorten sehr beliebt. Bei den Keltertrauben gibt es diese nicht.

Auch in Sachen Geschmack und Inhaltsstoffe gibt es Unterschiede: Die meisten Tafeltraubensorten haben einen niedrigeren Zuckergehalt und weniger Fruchtsäure als Keltertrauben. „Wein aus Tafeltrauben würde somit vergleichsweise langweilig schmecken“, weiß Ernst Büscher vom Deutschen Weininstitut (DWI). Keltertrauben besitzen laut Büscher zudem eine dickere Schale, in der Aromastoffe sowie Tannine (Gerbstoffe) enthalten sind. Sie sind sehr entscheidend für die Weinqualität.

Kleine Unterschiede bei Anbau und Ernte

Der Anbau von Tafeltrauben ähnelt – in etwas abgewandelter Form – dem der Keltertrauben: Die Reben werden an Drähten angebunden in Reihen – sogenannten Rebzeilen – oder als Pergola-System angebaut. Weil die Tafeltrauben etwas mehr Luft und Raum benötigen, sind die Abstände zwischen den Rebstöcken und den Rebzeilen größer als bei den Keltertraubensorten. „Tafeltrauben müssen überdies bewässert werden“, sagt Josef Engelhart von der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG).

Auch dem Pflanzenschutz und der Ernte kommt eine besondere Rolle zu. „Denn anders als bei Keltertrauben spielt bei Tafeltrauben der äußere Eindruck eine wichtige Rolle“, sagt Büscher vom DWI. Jede einzelne Traube sollte optisch frisch und prall wirken, also keine Anzeichen von Welke am Stielgerüst und den Beeren haben. Auch Druckstellen, Flecken, Schmutz oder starke Pigmentierungen auf der Beerenoberfläche beeinträchtigen die Qualität von Tafeltrauben sehr stark. Um den Pflanzenschutzmitteleinsatz so gering wie möglich zu halten, werden laut Engelhart für den Tafeltraubenanbau besonders gerne pilzwiderstandsfähige Sorten – sogenannte PIWIs – verwendet.

Tafeltrauben müssen im optimalen Reifezustand geerntet werden, denn unreife Trauben reifen nicht nach und hinterlassen einen faden, sauren Geschmackseindruck. Um diese hohen Anforderungen zu erfüllen, werden Tafeltrauben sehr sorgfältig von Hand geerntet. Keltertrauben können dagegen auch maschinell geerntet werden.
Nach der Ernte müssen Tafeltrauben – anders als Keltertrauben – sofort gekühlt werden.

Werden Tafeltrauben auch in Deutschland erzeugt?

Seit einigen Jahren werden auch in Deutschland Tafeltrauben angebaut. Das war nicht immer so. Denn lange Zeit durften Tafeltrauben, wie Keltertrauben, hierzulande nur auf registrierten Rebflächen von Weinbaubetrieben angebaut werden. Mit der Reform der EU-Weinmarktordnung 2000 hat sich das geändert. Seitdem dürfen Tafeltrauben, wie anderes Obst, auch von Obstbaubetrieben angebaut werden.

Der Anbauumfang ist allerdings noch sehr gering: Laut Statistischem Bundesamt bauten 2021 in Deutschland rund 510 Betriebe auf einer Fläche von gerade mal 300 Hektar Tafeltrauben an. Zum Vergleich: Keltertrauben wurden im gleichen Jahr von 14.580 Betrieben auf einer Fläche von über 100.000 Hektar kultiviert.

Großteil an Tafeltrauben kommt aus dem Ausland

Um den Bedarf von über 430.000 Tonnen (Stand 2021, destatis) – das sind pro Kopf etwa 5,2 Kilogramm – zu decken, werden daher große Mengen an Tafeltrauben nach Deutschland importiert. Von Juni bis November kommen die meisten aus Italien, Spanien, Ägypten, Griechenland und der Türkei, von Dezember bis Juni aus Südafrika, Indien, Chile, Peru und Brasilien.

Quelle: BLE

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