Studie 2018: Wie Lebensmittelsiegel Kaufentscheidungen beeinflussen

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Eine Befragung der FH Münster untersuchte 2018, wie Prüf- und Gütesiegel die Wahrnehmung von Lebensmitteln sowie Kauf- und Zahlungsbereitschaft beeinflussen. Die Ergebnisse zeigen einen positiven Siegeleffekt – unter den Bedingungen der damaligen Studie.

Stichprobe und Fragestellung

Für die Untersuchung wurden 1.039 nach Angaben der Studienleitung repräsentativ ausgewählte Verbraucherinnen und Verbraucher in Deutschland befragt. Erfasst wurden Einstellungen, Bekanntheit und Bedeutung verschiedener Siegel. Zusätzlich bewerteten die Teilnehmenden fiktive Käse- und Wurstprodukte mit und ohne Zeichen von DLG beziehungsweise Stiftung Warentest.

Siegel wurden überwiegend positiv beurteilt

71 Prozent der Befragten bezeichneten Prüf- und Gütesiegel auf Lebensmitteln als gute Sache, 52 Prozent als nützlich für Kaufentscheidungen. 49 Prozent gaben an, sich bei ansonsten ähnlich wirkenden Produkten schon einmal bewusst wegen eines Siegels für eines der Produkte entschieden zu haben.

Besonders wichtig waren den Befragten Zeichen zu gentechnikfreier Herstellung (63 Prozent), fairem Handel (61 Prozent) und Regionalität (58 Prozent). Weniger Bedeutung hatten in dieser allgemeinen Abfrage Glutenfreiheit (23 Prozent) und Geschmacksempfehlungen (20 Prozent). Für Menschen mit Zöliakie kann eine verlässliche Glutenkennzeichnung selbstverständlich entscheidend sein; der geringe Durchschnittswert sagt nichts über die Bedeutung für diese spezielle Gruppe aus.

Balkendiagramm zur Bedeutung verschiedener Eigenschaften von Lebensmittel-Siegeln in der Befragung 2018
Abbildung 1: Bedeutung ausgewählter Eigenschaften für Prüf- und Gütesiegel

Experiment mit fiktiven Produkten

Den Teilnehmenden wurden Produktdummys für Käse und Wurst mit oder ohne DLG- beziehungsweise Stiftung-Warentest-Zeichen gezeigt. Bei den Varianten mit Zeichen lag der Anteil positiver Kaufabsichten im Durchschnitt 9,7 Prozentpunkte höher. Auch erwartete Qualität beziehungsweise erwarteter Geschmack wurden häufiger positiv eingeschätzt. Der Anteil der Personen, die einen höheren Preis akzeptierten, stieg im Durchschnitt um 7,9 Prozentpunkte; die angegebene maximale Zahlungsbereitschaft nahm im Mittel um 3,6 Cent je 100 Gramm zu.

Fiktive Käse- und Wurstverpackungen der Studie, jeweils mit und ohne Prüfzeichen
Abbildung 2: Produktdummys mit und ohne Siegel
Diagramm zum Einfluss von Siegeln auf Kaufabsicht, Qualitätswahrnehmung und Zahlungsbereitschaft
Abbildung 3: Ergebnisse des Produktexperiments

Was die Studie nicht belegt

Die Untersuchung misst Einstellungen und Reaktionen auf fiktive Produkte, nicht das tatsächliche Kaufverhalten an der Ladenkasse. Sie vergleicht nur ausgewählte Zeichen, Produktarten und Darstellungen. Ergebnisse für DLG und Stiftung Warentest lassen sich nicht automatisch auf Bio-, Regional-, Tierwohl- oder Fantasiesiegel übertragen. Auch eine höhere Qualitätsvermutung beweist keine höhere objektive Produktqualität.

Fazit

Siegel können als Vertrauens- und Orientierungssignal wirken und die Kaufbereitschaft erhöhen. Ihr tatsächlicher Informationswert hängt aber davon ab, wer sie vergibt, welche Kriterien gelten, wie unabhängig kontrolliert wird und ob die Aussage verständlich ist. Einen aktuellen Überblick bietet Lebensmittelkennzeichnung und Siegel: Was Verbraucher wissen sollten.

Quelle

FH Münster: Kurzbericht zur Siegelstudie 2018

Studienbericht von 2018 / methodisch eingeordnet und aktualisiert am 6. September 2026 / food-monitor / KI