Fleisch-Werbung: falsches Vertrauen bei „Tierwohl“ und Co.

Verbraucherzentralen veröffentlichen repräsentative Umfrage:

  • Bei Fleischprodukten halten viele Verbraucher Begriffe wie „Tierwohl“ oder „artgerecht“ für eine verlässliche Information. Das sind sie aber nicht. Wirklich aussagekräftige Kriterien fehlen auf den Packungen.
  • Die Mehrheit der Befragten bei der Verbraucherzentralen-Umfrage hält den gesetzlichen Mindeststandard für nicht artgerecht.
  • Die Verbraucherzentralen fordern klare und nachvollziehbare Informationen bei der Werbung für Fleischprodukte.

Werbung für Fleischprodukte bietet Verbraucherinnen und Verbraucher selten verlässliche Informationen. Dennoch vertrauen viele Kunden auf Botschaften mit Begriffen wie „artgerecht“ oder „Tierwohl“. Das belegt eine repräsentative Umfrage im Auftrag der Verbraucherzentralen. Die Verbraucherzentralen fordern deshalb mehr Transparenz.

Verpackte Fleischprodukte mit verlässlicher Information über die Art und Weise der Tierhaltung sind selten. „Verbraucher können nicht überprüfen, was hinter den Werbeaussagen steckt“, kritisiert Luise Hoffmann von der Verbraucherzentrale Thüringen. Viele Käufer vertrauen auf Begriffe wie „artgerecht“ oder „Tierwohl“. Dabei haben diese keine verbindliche Bedeutung. Klare gesetzliche Vorgaben gibt es für solche Begriffe nicht – und auch Hersteller und Händler bleiben Details oft schuldig.

Dass viele Verbraucher bei entsprechender Bewerbung auch eine artgerechte Tierhaltung erwarten, belegt eine repräsentative Forsa-Umfrage mit 1005 Personen im Auftrag der Verbraucherzentralen.

Beispielsweise geht die Hälfte der Befragten bei dem Netto-Slogan „Herzenssache Geflügel…aus artgerechterer Haltung / Initiative Tierwohl“ (Netto Marken-Discount) von einer artgerechteren Tierhaltung aus. Klare Haltungskriterien bleibt Netto seinen Kunden am Kühlregal schuldig. Tatsächlich erfüllen die beworbenen Fleischprodukte nur minimal mehr als die gesetzlichen Mindestanforderungen.

Bei einer Werbung für tatsächlich tiergerechter erzeugte Produkte („Für mehr Tierwohl“, Kaufland) sieht das Ergebnis ähnlich aus. Die Verbraucherzentralen beanstanden deshalb: Verbraucher können aus der Masse der Werbebotschaften die wirklich aussagekräftigen Informationen gar nicht mehr herausfiltern.

Haltungskennzeichnung des Handels kaum bekannt

2018 haben mehrere Handelsketten eigene, vierstufige Haltungskennzeichnungen für das Frischfleisch ihrer Eigenmarken von Schweinen, Rindern, Hühnern und Puten in der Selbstbedientheke eingeführt: Von Stufe 1 „Stallhaltung nach gesetzlichem Standard“ bis Stufe 4 „Bio“ bzw. „Premium“-Standard. Wie die aktuelle Umfrage zeigt, ist diese Klassifizierung jedoch weitgehend unbekannt. Nur 17 Prozent der Befragten geben an, die Haltungskennzeichnung auf Fleischpackungen schon einmal gesehen zu haben.

Die Stallhaltung nach gesetzlichem Standard stößt bei den Befragten auf wenig Vertrauen: 80 Prozent stufen diese Tierhaltung eher nicht oder auf keinen Fall als artgerecht ein.

Obwohl die bestehende Kennzeichnung weitgehend unbekannt ist, hält mehr als die Hälfte (55 Prozent) der Befragten eine Haltungskennzeichnung für eher hilfreich beziehungsweise sehr hilfreich für den Kauf von Fleisch aus tiergerechter Haltung. Bei den unter 45-Jährigen meinen das sogar fast drei Viertel.

Das zeigt: Verbraucher suchen Orientierung beim Einkauf von Fleisch. Die vom Handel in diesem Jahr angekündigte Vereinheitlichung der Haltungskennzeichnung ist daher grundsätzlich zu begrüßen. Sie ersetzt aber nicht ein glaubwürdiges und verlässliches staatliches Tierwohlkennzeichen.

Die Ergebnisse und weitere Informationen zur Umfrage sind abrufbar unter: www.vzth.de/umfrage-fleischwerbung

Fakten zur Umfrage:

  • Teilnehmer: 1005 Befragte
  • Alter: von 18 bis 86 Jahre
  • Befragungszeitraum: 15. bis 19. November 2018

Für weitere Informationen:
Luise Hoffmann, Fachberaterin Lebensmittel und Ernährung
Tel. (0361) 555 14 0
l.hoffmann@vzth.de

Pressekontakt:

Mara Mertin
Referentin Medien- und Öffentlichkeitsarbeit
Verbraucherzentrale Thüringen e.V.
Consumer Association of Thuringia

Geschäftsstelle
Eugen-Richter-Straße 45, 99085 Erfurt
Tel.: (0361) 555 14-14
m.mertin@vzth.de

Quelle: VZ Thüringen

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