Raus aus der Black Box: Visionen und Strategien für eine nachhaltige Gesellschaft

Ein bisschen weniger schnell Richtung rot fahren reicht nicht mehr, wenn wir das Ökosystem Erde retten wollen, sagte Professorin Dr. Maja Göpel, Generalsekretärin des Wissenschaftlichen Beirates der Bundesregierung Globale Umweltfragen (WBGU) in ihrer Keynote-Rede auf der Konferenz des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft: „Und was gibt’s morgen? Strategien für eine nachhaltige Landwirtschaft und Ernährung“. Sie fand Anfang Oktober 2019 in Berlin statt und war mit 350 Gästen voll ausgebucht. Die Wissenschaftlerin machte in ihrem Vortrag keinen Hehl daraus, dass Umweltrisiken aktuell zu den weltweit größten Bedrohungen der Menschheit zählen. Es sei nicht mehr fraglich, sondern offensichtlich, dass wir einen gesellschaftlichen Wandel brauchen.

In ihrem Vortrag „Wie kann die Transformation zu einer nachhaltigen Gesellschaft gelingen?“ erläuterte sie Strategien und Ansatzpunkte für eine Gesellschaftstransformation in Richtung Nachhaltigkeit. Der Weg führt über positive Leitbilder und muss prozessorientiert angelegt werden, meint Göpel. Es reiche nicht aus, immer neue Ziele und Maßnahmen zu definieren. Wir müssten sie ernst nehmen und beobachten, was warum und wie wirkt oder auch nicht. Das Management der Veränderungsprozesse sei zentral, um zu erkennen, ob wir auf dem richtigen Weg sind – oder, ob nachjustiert werden muss. Bislang fehle der prozessorientierte Ansatz in der Nachhaltigkeitsstrategie. Göpel sprach von einer „Black box“.

Dazu gehöre auch die Frage: Was wollen wir beibehalten? Und wovon müssen wir uns vielleicht als Zivilisation verabschieden? Beispielhaft verwies Göpel auf Standards des Welthandels: Viele Regelungen wurden in den 1990er Jahren verabschiedet, zu einem Zeitpunkt als wir die heutigen Informationen noch nicht hatten. Sie sind mitverantwortlich für die Art und Weise wie heute weitläufig Landwirtschaft betrieben wird. Diese Institutionen seien menschengemacht, sagte sie und machte Mut, sie auch wieder zu verändern.

Mit ihren Überlegungen adressiert die Politökonomin ausdrücklich nicht die Konsumgewohnheiten einzelner Menschen, etwa in Bezug auf Fleisch. Es geht ihr vielmehr um einen systemischen Ansatz. Sie forderte die Zuhörerinnen und Zuhörer auf, sich ehrlich zu fragen: Welche Anreizsysteme und welche Rahmenbedingungen haben uns in die gegenwärtige Situation geführt? Und welche brauchen wir heute, um unser Ökosystem zu stabilisieren? Denn das ist die Grundlage für eine florierende Landwirtschaft und Wirtschaft. Sie empfahl außerdem von Nachhaltigkeitspionieren zu lernen und zu fragen, welche Rahmenbedingungen sie brauchen, um von der Nische in den Mainstream zu kommen.

Um den Veränderungsprozess zu einer nachhaltigen Gesellschaft zu gestalten, braucht es alle, sagte Göpel, die Politik, die Landwirtschaft, die Wirtschaft und nicht zuletzt die Zivilgesellschaft. Eine Herausforderung und Chance zugleich. Damit dieser Wandel zur Nachhaltigkeit gelingt, brauchen wir aber auch Ausdauer, Innovationsgeist, Biss und Offenheit, eine „das muss doch gehen Energie“, und immer wieder den Impuls „das schaffen wir doch“.

Vollständiger Vortrag „Wie kann die Transformation zu einer nachhaltigen Gesellschaft gelingen?“

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https://www.youtube.com/watch?v=qUJBkiZNHZQ

Quelle: Dr. Christina Rempe, Gesa Maschkowski, BZfE

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