Behörden untersuchen möglichen Betrug bei Olivenöl und vanillehaltigen Erzeugnissen

Olivenöl
Foto: form, PxHere

OPSON IX: „Natives Olivenöl extra“ in mehreren Fällen nur Verschnitt mit billigem Öl. Vanille durch synthetisches Aroma ersetzt.

Zahlreiche Manipulationen bei Olivenöl sowie bei der Deklaration natürlicher Vanille in Lebensmitteln sind im Rahmen der diesjährigen Operation OPSON IX von den beteiligten deutschen Behörden aufgedeckt worden. Dies teilte das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) heute in Berlin mit. So wurden bei Olivenöl in der höchsten ausgelobten Qualitätsstufe „nativ extra“ minderwertigere Öle bis hin zu Lampant- und Fremdöl festgestellt. In Lebensmitteln wie Speiseeis und Desserts fanden die Untersuchungsämter statt der angegebenen natürlichen Vanille preiswerte synthetisch erzeugte Aromastoffe.

Bei der von Europol und INTERPOL koordinierten Operation OPSON IX haben sich elf europäische Staaten zusammengetan, um gemeinsam etwaige Betrugsfälle bei Olivenöl zu verfolgen. Die deutschen Lebensmittelüberwachungsbehörden überprüften von Anfang Januar bis Ende März mehr als 3.694 Liter Olivenöl der Güteklasse „nativ extra“, das strenge Qualitätskriterien erfüllen muss. Bei den 83 Kontrollen wurde das als „nativ extra“ ausgelobte Olivenöl, das in Deutschland den größten Marktanteil besitzt, auf eine mögliche Verfälschung mit Olivenölen anderer Güteklassen (nativ, raffiniert, Lampantöl) hin untersucht. Auch wurde getestet, ob günstigeres Sonnenblumen-, Raps- oder Sojaöl zugesetzt sowie mit Hilfe von Farbstoffen eingefärbt und als Olivenöl vertrieben wurde.

In rund einem Viertel der Fälle (19) wurden derlei Unregelmäßigkeiten nachgewiesen. Die Proben stammten von Großhändlern, Importeuren und Exporteuren, Abfüllbetrieben sowie Einzelhändlern und aus der Gastronomie. Olivenöl gehört zu den am häufigsten gefälschten Lebensmitteln, da durch Verschnitt mit Olivenölen geringerer Qualitätsstufen oder gar Ersatz durch Fremdöle hohe Gewinnspannen zu erzielen sind.

Teure Vanille durch synthetisches Vanillin ersetzt

In einer zusätzlichen nationalen Aktion untersuchten die Behörden vanillehaltige Erzeugnisse. Ziel war es auch hier, irreführende und betrügerische Praktiken aufzudecken, etwa durch den Ersatz der ausgelobten echten Vanille durch synthetisch erzeugtes Vanillin. In Deutschland wurden bei 208 Kontrollen Erzeugnisse wie Vanillearomen bzw. Vanilleextrakte, Speiseeis, Feine Backwaren und Desserts sowie gemahlene Vanilleschoten daraufhin untersucht. In 36 Fällen (17 %) wurden Auffälligkeiten festgestellt, etwa indem natürliche Vanille durch den preisgünstigen künstlichen Aromastoff Ethylvanillin ersetzt wurde.

Auch die Schwesterbehörden des BVL in der Schweiz (Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen – BLV) und in Österreich (Österreichische Agentur für Ernährungssicherheit – AGES) legten den Schwerpunkt ihrer nationalen Kontrollen auf vanillehaltige Erzeugnisse. Die Schweiz meldete dabei zwei auffällige Befunde. Über die gesamte Operation hinweg gab es einen engen Austausch zwischen den Behörden in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Vanille gehört zu den beliebtesten, aber auch teuersten Gewürzen. Die steigende Nachfrage macht Verbrauchertäuschungen zu einem lukrativen Geschäft.

Ermittlungen dauern an

In einigen Fällen haben die Ermittlungen ergeben, dass in Deutschland keine abschließende Bewertung der Sachverhalte erfolgen kann, sondern weitere Nachforschungen und Überprüfungen bei den Herstellern und Lieferanten im Ausland erforderlich sind. In diesen sieben Fällen, die sowohl Olivenöl als auch Vanille betreffen, wurden daher Meldungen im AAC FF-System erstellt. Das AAC FF-System ist das europäische Meldesystem für Amtshilfe und Zusammenarbeit im Bereich Lebensmittelbetrug (Food Fraud) und dient dem bilateralen Austausch zwischen den Mitgliedstaaten. Zwei Vorgänge wurden an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet. Weitere Folgemaßnahmen können über das Ende der Operation OPSON IX hinaus ergriffen werden.

Weitere Schwerpunktaktionen

Neben der Schwerpunktaktion zu Olivenöl, die von den griechischen Behörden koordiniert wurde, gab es bei OPSON IX zwei weitere Schwerpunktaktionen. Die belgischen Behörden koordinierten eine Aktion zur Bekämpfung des Betrugs bei Equidenpässen (Identifizierungsdokument für in der EU gehaltene Pferde), an der sich acht europäische Staaten beteiligten. Ziel war es hier, den illegalen Handel mit Pferden aufzudecken, die aufgrund ihrer medizinischen Behandlung von der Lebensmittelkette ausgeschlossen sind. Das BVL nahm an den entsprechenden Veranstaltungen zum Informationsaustausch teil. Es gab jedoch keine nationalen Kontrollaktionen in Deutschland.

Das Europäische Amt für Betrugsbekämpfung (OLAF) hatte gemeinsam mit den Zollbehörden 19 weiterer europäischer Staaten die Aufdeckung des Betrugs bei Wein und alkoholischen Getränken zum Ziel. An dieser Schwerpunktaktion hat sich die deutsche Zollverwaltung unter Federführung des Zollkriminalamts (ZKA) beteiligt.

Beteiligte an OPSON IX

Mit der weltweiten Operation OPSON gehen Europol und INTERPOL seit dem Jahr 2011 koordiniert gegen Lebensmittelbetrug vor. Das übergeordnete Ziel gemeinsamer OPSON-Schwerpunktaktionen ist der Aufbau und die Stärkung der zwischenbehördlichen Zusammenarbeit der für Lebensmittelüberwachung und Verbraucherschutz zuständigen Behörden mit den Strafverfolgungsbehörden und dem Zoll sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Ebene. Weltweit haben sich insgesamt 83 Staaten mit verschiedenen Untersuchungszielen an OPSON IX beteiligt. Deutschland nimmt seit OPSON V (2015/2016) jährlich an den Operationen teil.

Die deutsche Beteiligung an der aktuellen Operation OPSON IX wurde vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) koordiniert. In Deutschland waren die Lebensmittelüberwachungsbehörden aus Bayern, Baden-Württemberg, Berlin, Brandenburg, Hamburg, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz und Schleswig-Holstein sowie das Bundeskriminalamt (BKA) und das Zollkriminalamt (ZKA) aktiv beteiligt. Das Max Rubner-Institut (MRI Detmold und NRZ-Authent) beteiligte sich im Rahmen einer Laborkooperation.

Weiterführende Informationen

Quelle: Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL)

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