Bayern: Landfrauen sehen in Vertical Farming eine Brücke zwischen Stadt und Land

Geht es hoch hinaus für die Zukunft der Landwirtschaft?

Das Bedürfnis von Verbraucherinnen und Verbrauchern nach Nähe und Transparenz bei der Erzeugung von Lebensmitteln ist gestiegen. „Diese Entwicklung bietet große Chancen für Bäuerinnen und Bauern. Auch, um so Brücken zu bauen zwischen Stadt und Land“, sagte Landesbäuerin Anneliese Göller. Wie das künftig gelingen kann, damit haben sich die Landfrauen im Bayerischen Bauernverband bei ihrer Jahrestagung befasst und sich Experten zum Thema Vertical Farming sowie zu regionalen Versorgungsprojekten ins Haus geholt.

„Auch im Zuge der Corona-Pandemie ist in der Bevölkerung der Wunsch nach regionaler Versorgung gewachsen“, sagte Göller beim Landesausschuss der Landfrauen im Bayerischen Bauernverband. Wir können und müssen deutlich machen, „dass hinter jedem heimischen Produkt eine Bauernfamilie steht, die hochwertige Produkte mit viel Herzblut vor der Haustüre produziert.“

Die Regionalität müsse in den Fokus rücken – dies fordert der Bayerische Bauernverband auch in seinen Anliegen bei den Koalitionsverhandlungen für die Bildung der neuen Bundesregierung und in seinen Thesen zur „Landwirtschaft 2040“. Landesbäuerin Göller: „Es geht darum, das Bewusstsein bei Privat- und Großverbrauchern für Regionalität und Saisonalität zu schärfen. Und es geht darum, bei den Unterrichtseinheiten im Rahmen der Projektwochen ‚Schule fürs Leben‘ endlich das Wissen und die Wertschätzung für Lebensmittel zu stärken – und zwar schon von klein auf.“

Aus Sicht der Landesbäuerin müssen öffentliche Institutionen Vorbild und Vorreiter sein beim Einsatz von Produkten aus regionaler und saisonaler Landwirtschaft: „In der Gemeinschaftsverpflegung braucht es einen verpflichtenden Anteil an regionalen Produkten.“

Der Landesbäuerin ist es ein Anliegen, Landwirtschaft den Verbrauchern nahe zu bringen. „Für mich steht fest: Wenn Landwirtschaft in Zukunft auch auf Stadtgebiete ausgeweitet wird, trägt dies entscheidend dazu bei, die Landwirtschaft in die Mitte der Gesellschaft zu rücken und das Miteinander von Stadt und Land, von Erzeugern und Verbrauchern zu stärken. Je mehr Wissen rund um die Landwirtschaft in den Köpfen ist, desto mehr Wertschätzung bekommen wir für unsere Arbeit und unsere hervorragenden heimischen Lebensmittel.“

Wie Landwirtschaft in der Stadt in Zukunft funktionieren kann, zeigte Christine Zimmermann-Lössl, Vorstandsvorsitzende der Association for Vertical Farming e.V. „Wir stehen vor den größten Herausforderungen der Menschheitsgeschichte: Klimawandel, Endlichkeit von Ressourcen und enormes Bevölkerungswachstum. Wie können wir in der Zukunft genug Nahrung nachhaltig für alle produzieren?“ Bis 2060 würden rund 80 Prozent der Menschen in Städten leben. Vertikale Landwirtschaft könne Teil der Lösung in der Versorgung der Menschen mit Lebensmitteln sein, insbesondere dort, wo Boden und Fläche knapp sind.

Die Methode: Pflanzen werden auf mehreren Ebenen innerhalb eines Raumes angebaut. Passgenau wird künstliches Licht mit richtiger Wellenlänge genutzt, die Temperatur kontrolliert und die Pflanzen mit Feuchtigkeit, Nährstoffen, Wasser und CO2 versorgt. Die Vision von Christine Zimmermann-Lössl: „Vertikale Landwirtschaft kann Zugang zu frischen Lebensmitteln in großer Menge bieten unabhängig von Klima und Standort und damit zur weltweiten Nahrungsmittelsicherheit beitragen. In den kommenden Jahrzehnten, in denen Überbevölkerung und Klimawandel unsere derzeitige Lebensweise in Frage stellen, wird vertikale Landwirtschaft eine notwendige Lösung für globale Nahrungsmittelproduktion sein.“

In der anschließenden Diskussion mit den Landfrauen wurde deutlich, dass vertikale Landwirtschaft nicht als Alternative, sondern nur als Ergänzung zur bisherigen Landbewirtschaftung gesehen werden kann. Denn Landwirtschaft sei mehr als Nahrungsmittelerzeugung, hinzukommen weitere vielfältige Leistungen, wie die Pflege der Kulturlandschaft. Zimmermann-Lössl machte den Bäuerinnen Mut zur weiteren Diskussion: „Angesichts der Herausforderungen der Zukunft müssen wir uns neu aufstellen. Sie sind Innovatoren auf diesem Weg. Vertical Farming ist ein kleiner Baustein.“

Quelle: BBV

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