Kochboxen – Fluch oder Segen?

Seit Corona wird vermehrt Zuhause gekocht. Lebensmittel mehr wertschätzen.

Was koche ich heute? Diese Frage stellen sich alle, die täglich ein ordentliches Essen auf den Tisch bringen und dabei glückliche Gesichter und leere Teller sehen wollen. Doch mit der Rezeptwahl allein ist es nicht getan. Der Einkauf der notwendigen Lebensmittel und die eigentliche Verarbeitung der Produkte zu einem leckeren Essen gehören ebenfalls dazu. Abhilfe bei der Rezeptwahl als auch beim Einkauf sowie der Zubereitung versprechen die sogenannten Kochboxen: Im ersten Quartal 2020 lieferte der weltweit führende Anbieter „Hello fresh“ 111 Millionen Mahlzeiten und zählte 4,18 Millionen aktive Kunden – Tendenz steigend.

Das Unternehmensrezept scheint gerade in der Corona-Zeit zu schmecken: Zeit und Geld sparen, gesunde Lebensmittel, geschmackvolle Gerichte sowie mehr Nachhaltigkeit durch weniger Lebensmittelverschwendung und Kohlendioxid. Doch ist es das wirklich? Klappt das Liefern auch auf’s Land? Der Landvolk-Pressedienst hat getestet.

Sechs Essen für zwei Personen testen: Dazu wird online unter www.hellofresh.de in drei Schritten der Kochboxinhalt bestimmt: Zuerst muss zwischen „Fleisch & Gemüse“, „familienfreundlich“ oder „vegetarisch“ gewählt werden. Schritt zwei ist die Wahl der Boxgröße: Die Personenzahl kann von zwei bis vier Esser und die Anzahl der Gerichte pro Woche zwischen drei und fünf verändert werden. Abgeschlossen wird die Registrierung mit der E-Mailadresse oder über den Social-Media-Zugang. Abschließend erfolgt die Wahl der Rezepte sowie das Bestimmen des Liefertages.

Gespannt wird auf die Kochbox gewartet, für diesen Tag ist kein weiteres Essen mitsamt Einkauf eingeplant. Weil der Postbote trotz Hinweis im Bestellmodus das Essen bei Nichtantreffen wieder mitnimmt und das Paket erst am nächsten Tag zustellt, bleibt die Küche kalt. Trotz eintägiger Verspätung sind die Lebensmittel kühl und frisch, dafür sorgt recycelbares Kühl- und Verpackungsmaterial. Fast alle Zutaten, von der Brühe, über Gewürzmischung bis hin zum Fleisch und zur Stärkebeilage sind grammgenau abgewogen und einzeln verpackt. Trotz Öko-Materialien entsteht viel Verpackungsmüll.

Die Zubereitung der Speisen ist einfach und gut beschrieben. Selbst Kochmuffel schaffen mit der Schritt-für-Schritt-Anleitung in sechs Arbeitsgängen ein vollwertiges, gut gewürztes und leckeres Essen zu kochen – wenn alle Zutaten dabei wären. Bei zwei von sechs Essen fehlte das Hauptgewürz. Für Haushalte, die abwechslungsreich kochen, stellt das kein Problem dar. Doch wenn Tandoorigewürz oder die Tikka-Masala-Paste nicht dabei sind, fehlt nicht nur dem Essen was, sondern die Aktion bekommt einen faden Beigeschmack.

Fazit: Starke Esser werden mit der berechneten Menge nicht satt – trotz großzügig bemessener, kostengünstiger Stärkebeilage. Geschmacklich und qualitativ waren die Gerichte allesamt gut. Letztlich spielt auch der Preis eine Rolle: Für fünf Essen für zwei Personen bezahlt man 37 Euro plus Versand und hat keine Reste über. Der Kochbox-Koch spart vor allem Zeit, weil der Einkauf entfällt. Doch Einkaufen vor Ort kann auch ein Erlebnis sein und wenn der Hofladen besucht wird, gibt es hier Tipps und Infos zur Herkunft der Lebensmittel dazu. Familien kommen mit einem Großeinkauf vor Ort und entsprechender Vorratshaltung preislich besser weg und unterstützen so die Region.

Bei allem Für und Wider zu Transport, Preis oder ökologischem Fußabdruck kann den Kochboxen zugutegehalten werden, dass sie nicht nur dazu beitragen, dass vermehrt zuhause selbst und frisch gekocht wird, sondern zudem die Herstellung und der Umgang mit Lebensmitteln wieder mehr geschätzt wird. Übrigens gab es bis 28.09.2020 keine Antwort von Hello fresh auf den Hinweis, dass zwei Zutaten fehlten.

Quelle: Landvolk Niedersachsen (LPD 76/2020)

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